Buchtipp: „Nelkenliebe“

10.06.2019

Der Titel „Nelkenliebe“ klingt irgendwie nach einem Liebesroman à la Rosamunde Pilcher – und das ist das Buch auch tatsächlich. Ich erlaube mir, schon mal das Ende der Liebesgeschichte zu spoilern: Die Protagonistin schießt den schnöseligen Yuppie in den Wind, weil sich der nämlich als Lügner entpuppt und entscheidet sich für den ärmeren, aber ehrlicheren Mann. Zwischendurch wird auch ein Familiengeheimnis gelüftet. So ist es ja meistens auch bei Rosamunde Pilcher, zumindest glaube ich mich daran zu erinnern, denn ich hab ja immer nur auf die Landschaft und die alten Autos geachtet.

Schöne Landschaften gibt es auch bei den Romanen von Anja Saskia Beyer dazu, diese sind aber internationaler als bei Rosamunde Pilcher, die sich ja bekanntlich auf Südengland beschränkt. Ob es in allen Romanen von Anja Saskia Beyer auch alte Autos dazugibt weiß ich leider nicht, in diesem Buch gibt’s auf jeden Fall schon alte Autos.

Aber im Gegensatz zu Rosamunde Pilcher gibt es nicht nur Landschaft, sondern auch noch Geschichte dazu, in diesem Fall geht es um die Zeit der autoritären Salazar Diktatur, den „Estado Novo“, der auch im von mir kürzlich gelesenen Roman „Nachtzug nach Lissabon“ (siehe Rezension hier) behandelt wird.

Ähnlich wie in diesem Roman begibt sich auch in diesem Roman jemand aus dem deutschsprachigen Raum auf Spurensuche nach Portugal, nämlich eine junge Frau Namens Katharina. Es war nämlich der größte Wunsch ihres todkranken Vaters, die Wahrheit über seine große Liebe Marisa herauszufinden, die er Mitte der Siebziger Jahre in Portugal kennen gelernt hatte. Sie war damals seine Arbeitskollegin in einer kleinen Konditorei, er brachte ihr Lesen und Schreiben bei und plötzlich war sie verschwunden. Einige Zeit nach Ende der Diktatur kam sie nur kurz einmal zu ihm, aber ohne ihm das Geheimnis ihrer Abwesenheit zu verraten und nur, um sich für immer von ihm zu verabschieden. Katharina wird dabei von ihrem Freund, dem erfolgreichen Anwalt Arne, unterstützt, für die Fahrt nehmen sie ein altes Wohnmobil, das sie sich bei einem gewissen Nuno ausborgen. Später stößt auch noch der schwerkranke Vater dazu.

 

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Nach und nach lernen sie verschiedene Personen kennen und kommen so der Person Marisa immer näher. In dieser Hinsicht gibt es also durchaus wieder eine Parallele zu „Nachtzug nach Lissabon“.

Mehr möchte ich jetzt einmal nicht verraten. Der Roman ist trotz der Liebesgeschichte, die sicherlich für viele Leserinnen im Vordergrund stehen wird, durchaus spannend. Die Elemente der Geschichte, die zur Zeit der Diktatur spielen, sind für mich durchaus schlüssig und meiner Meinung nach auch besser erzählt als die Liebesgeschichte Katharinas, die eher flach und vorhersehbar ist. Auch die Krankengeschichte des Vaters und das Ende mit plötzlicher Aussicht auf Heilung ist für mich flach bis sogar seltsam. Die Darstellung der Schönheiten Portugals könnte auch etwas besser sein. Im Roman ist nur das Essen intensiver geschildert. Ich weiß nicht, ob die Autorin jemals in Lissabon und Umgebung war, aber für diese Schilderungen hätten wahrscheinlich auch ein paar Urlaubsprospekte gereicht.

Und so komme ich zu einem unerwarteten Fazit: Der Roman hat natürlich nicht die Klasse von „Nachtzug nach Lissabon“, das habe ich mir aber auch nicht erwartet und den Anspruch erhebt er auch gar nicht. Die Spurensuche im Zusammenhang mit der portugiesischen Geschichte ist überraschend spannend und gelungen, die in der Gegenwart spielende Handlung eher nicht. Als leicht zu lesenden und trotzdem teilweise tief gehenden „Geschichtskrimi“ kann ich das Buch empfehlen, als Liebesgeschichte nicht.

Das Buch ist im Buchhandel (ISBN 978-2919807185) und bei amazon erhältlich.

 

 

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