Buchtipp: „Waldviertler Todesrausch“

01.07.2019

Nach vielen Ostsee- und Bayern-Krimis habe ich jetzt einmal einen Krimi gelesen, der in der Nähe meiner Heimat spielt, nämlich „Waldviertler Todesrausch“ von Christian Scherl.

Der Krimi spielt einerseits in einem fiktiven Waldviertler Ort, andererseits in Wien. Im Waldviertler Ort wird in einer Privatbrauerei eine Leiche gefunden, die als der Gewinner eines Bierwetttrink-Bewerbs identifiziert wird. Der Verdacht fällt bald auf die Zweitplatzierte, eine Wiener Sportlehrerin, eine Ex-Judo-Wettkämpferin mit derbem Auftreten. Ein Junglehrer, der ihr verfallen ist, hilft ihr dabei, den Verdacht, den die beiden Wiener Kommissarinnen mit den seltsamen Vornamen Diotima und Wolke gegen sie erheben, zu entkräften…

Die Protagonistinnen und Protagonisten pendeln bei ihren Ermittlungen zwischen Wien und dem Waldviertel, wobei es der Autor leider verabsäumt, sowohl die Waldviertler als auch das Waldviertel selbst schärfer zu charakterisieren. Leicht hinterwäldlerische, traditionsverhaftete und trinkfeste Landbewohner, die nach außen hin konservativ sind und gleichzeitig ihre unmoralischen Geheimnisse haben gibt es wohl in allen ländlichen Gegenden. Würde man in diesem Buch „Waldviertel“ durch „Mostviertel“ oder von mir aus auch durch „Oberinntal“ oder „Südburgenland“ ersetzen würde es keiner merken, zumal es Autor und allfällige Lektoren offensichtlich sogar verabsäumt haben, auch nur einen Blick auf eine Landkarte zu werfen. Wer von Wien schnellstmöglich an einen Ort im Raum Zwettl möchte, fährt nicht auf der Autobahn bis Melk, um von dort nach Krems zu fahren und von Krems in den Raum Zwettl weiterfahren,…

Typischer sind da schon die verschiedenen Wiener Charaktere, weswegen ich das Buch wohl eher „Wien-Krimi“ als „Waldviertel-Krimi“ nennen würde.

Schade eigentlich, sehr schade sogar, denn das Buch ist sehr flüssig zu lesen und von vorne bis hinten sehr unterhaltsam und deswegen gibt’s trotzdem eine Leseempfehlung von mir.

Das Buch ist im Buchhandel (ISBN 978-3990740491) und bei amazon erhältlich.

 

 

Weitere Buchtipps:

 

Buchtipp: „Profipfuscher“

Nach zwei ernsteren Romanen über die Salazar-Diktatur in Portugal und einem Krimi war es wieder einmal Zeit, etwas lustiges zu lesen, nämlich „Profipfuscher“, den sechsten Band aus der „Herbert“-Reihe von Friedrich Kalpenstein.

Buchtipp: „Nelkenliebe“

Der Titel „Nelkenliebe“ klingt irgendwie nach einem Liebesroman à la Rosamunde Pilcher – und das ist das Buch auch tatsächlich. Aber im Gegensatz zu Rosamunde Pilcher gibt es nicht nur Landschaft, sondern auch noch Geschichte dazu.

Buchtipp: „Nachtzug nach Lissabon“

Auf der Suche nach historischen Romanen, die im Portugal während der Salazar-Diktatur spielen, bin ich auf den Roman des Schweizers Pascal Mercier (im richtigen Leben Peter Bieri) gestoßen.

Buchtipp: „Der Fischbrötchenmord“

„Der Fischbrötchenmord“ ist der erste und soweit mir bekannt bis jetzt auch noch einzige Band der „Sören Fries ermittelt“-Reihe von Katja Lukic, einer deutschen Autorin, die mehrere Jahre als Straßenkünstlerin in Spanien gelebt hatte, und bislang eher autobiographische Bücher veröffentlicht hat.

Buchtipp: „Fotografieren in der Dämmerung“

In der Dämmerung – in der sogenannten „Blauen Stunde“ und der „Goldenen Stunde“ – kann man faszinierende Fotos machen. Stefan Lenz erklärt in seinem Büchlein „Fotografieren in der Dämmerung“ sehr gut verständlich, wie man zu dieser besonderen Tageszeit die besten Ergebnisse erzielt.

WERBUNG