Abenteuerliche Wanderung zur Ruine Schimmelsprung

21.06.2019

Am gestrigen Fronleichnamstag machte ich mich kurz nach Mittag bei strahlendem Sonnenschein zu einer Wanderung zur Burgruine Schimmelsprung bei Thunau am Kamp (Marktgemeinde Gars am Kamp) auf. Die Wanderung sollte sich bald aus mehreren Gründen als abenteuerlich erweisen.

Bei einem etwas größeren Schotterparkplatz gegenüber des Wohnhauses Schimmelsprunggasse 46 (Koordinaten 48.588082, 15.650539) habe ich mein Auto abgestellt, dann ging es die Schimmelsprunggasse in Richtung Süden weiter, immer der Kamptalbahn entlang.

Zuerst ist die Straße noch asphaltiert, später nur noch geschottert. Hier kam mir ein älteres Touristenpaar entgegen, welche mir erzählte, dass sie die Suche nach der Ruine aufgegeben hatten, da der Weg verschlammt gewesen und gesperrt gewesen sei und sie sich nicht sicher waren, ob sie überhaupt auf dem richtigen Weg waren.

Ich ließ mich nicht beirren und ging weiter.

Kurz vor diesem Bildstock ging ein sehr schmaler und steiler Pfad rechterhand bergaufwärts. Sollte dies der Richtige weg sein? Markierung fand ich keine und ich ging weiter, was sich bald als richtig erweisen sollte.

Wenige Meter weiter stand ich plötzlich vor dem Haus Schimmelsprunggasse 43 (Koordinaten 48.582415, 15.649637) und wusste abermals nicht weiter. Auf einem Baum auf der linken Seite des Weges waren zwar Wegweiser angebracht, jedoch nicht zur Ruine Schimmelsprung.

Glücklicherweise waren gerade zwei nette Damen auf dem Balkon des Hauses, die mir erklärten, dass ich rechts am Haus vorbei (also Richtung Westen) gehen und in Kürze einen Bach überqueren müsse.

Da ich noch Telefonempfang hatte und fürchtete, diesen später zu verlieren, sah ich sicherheitshalber noch einmal eine Wegbeschreibung an und las, dass ich der blauen Markierung folgen müsse.

In der Nähe des Baches gab es nicht nur diese wunderschönen Tiere, sondern auch viele, die böse surrten und zustachen. Diese Tiere und die zahlreichen Brennesseln entlang des teilweise ziemlich verwachsenen Weges ließen mich bald bereuen, dass ich mit kurzer Hose wandern gegangen bin.

Ich folgte dem Weg bis mir auffiel, dass ich schon länger keine blaue Markierung mehr gesehen hatte und mein Weg schon etliche Meter über dem Bach auf meiner rechten Seite war, die Ruine aber auf dem Hügel hinter dem Bach sein müsste. Hatte ich die Stelle zur Bachüberquerung übersehen?

Ich entschloss mich, wieder zurückzugehen.

 

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Tatsächlich fand ich dann einen schmalen ausgetretenen Pfad, der zum Bach führen sollte.

Wichtiger Hinweis: Die Vegetation kann sich ändern! Bitte verwenden Sie dieses Foto nicht zur Orientierung!

Der Weg führte zum Bach, den man an dieser Stelle zu diesem Zeitpunkt getrost als Rinnsal bezeichnen konnte und schon bald sah ich wieder die blaue Markierung.

Die Stelle der Bachquerung befindet sich ungefähr bei 48.58423, 15.64659.

Von jetzt an ging es immer steiler bergauf. Die sommerliche Hitze machte sich auch im Wald bemerkbar, dafür wurde aber die Anzahl der lästigen Insekten weniger, da ich mich immer weiter vom Bach entfernte.

Ein zufällig umgefallener Baum oder eine Wegsperre? In diesem Fall wohl letzteres, denn kurz vor dieser Stelle ging der Weg zur Ruine rechts weiter. Die blaue Markierung ist zwar zu sehen, allerdings auch leicht zu übersehen. Also hieß es auch weiterhin immer gut aufpassen!

Wie lange der Baum die Wanderer noch davon abhalten wird, den falschen Weg zu gehen? Ich weiß es nicht und es kann wohl niemand garantieren!

Der Weg wurde immer schmäler, verwachsener und steiler, doch dann sah ich endlich die Ruine. Ich sah allerdings auch, dass sich bereits dunkle Wolken näherten.

Da ich bereits kurz nach meiner Ankunft bei der Ruine einen kleinen Kellerraum ausmachen konnte, der mir im Notfall als Unterschlupf dienen könnte, entschloss ich mich, erst einmal die Ruine zu erkunden.

Die Burg wurde 1196 erstmals urkundlich erwähnt. Der Legende zufolge lehnten sich einst unterdrückte Bauern gegen ihren Herren auf, dieser wollte erst mit seinem Schimmel fliehen und sprang dann, da er keinen Ausweg mehr sah, über eine Felswand. So entstand angeblich der Name „Schimmelsprung“.

Tatsächlich wurde die Herrschaft von Thunau um 1390 mit der Herrschaft von Gars zusammengelegt. Die günstiger gelegene Burg (heute ebenfalls Ruine) Gars wurde als Herrschaftssitz verwendet, die Burg Thunau wurde aufgegeben und verfiel.

Eine ausführliche Schilderung und Beschreibung findet man übrigens auf burgenkunde.at.

Von der Ruine aus hat man übrigens einen wunderbaren Blick auf Gars am Kamp im Norden und Zitternberg im Osten – was man umgekehrt nicht sagen kann, doch dazu später.

 

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Ich habe noch einige Fotos von der Ruine gemacht und mich dann an den Abstieg gemacht.

Schon bald wurde der Wind stärker und ich hörte das erste Donnergrollen. Da ich fürchtete, nicht mehr rechtzeitig unten anzukommen, beschloss ich, wieder zur Ruine umzukehren und das kleine Kellerloch aufzusuchen.

Ich bahnte mir den Weg durch das Gestrüpp und fand einen ca. 2×2×2 Meter großen Raum vor. Nachdem ich mich davon überzeugt hatte, dass das Gewölbe stabil war, machte ich es mir auf einem umgelegten Baumstamm gemütlich.

Der Donner wurde immer intensiver, der Wind wurde stärker und bald setzte heftiger Regen ein.

Wie ich später erfahren habe, war vor allem das Gemeindegebiet von Gars am Kamp von diesem Unwetter betroffen, ein Teil des Ortes wurde vom Starkregen regelrecht unter Wasser gesetzt, zahlreiche Feuerwehren standen im Einsatz.

Nach etwa einer Stunde war kein Donner mehr zu hören und die Sonne kam wieder hervor. Ich machte mich wieder an den Abstieg. Aus dem kleinen Rinnsal war inzwischen ein richtiger Bach geworden, über den ich nicht einfach steigen konnte, sondern bei dem ich mir schon überlegen musste, wo ich ihn am besten überquere.

Auch wenn ich natürlich meine Gehgeschwindigkeit der nun erhöhten Ausrutschgefahr angepasst habe, war ich in weniger als 30 Minuten wieder im Tal.

Zum Abschluss bin ich noch ins Zentrum von Gars gefahren und hab mir in der Kurkonditorei Ehrenberger, die ich seit Jahrzehnten kenne und schätze und in jeder Hinsicht empfehlen kann, ein Eis gegönnt.

Vom Tal aus ist die Ruine übrigens kaum zu sehen. Man muss schon sehr gut schauen und ihre ungefähre Position kennen, um sie im Dickicht des Waldes zu erkennen. Dieses Foto habe ich bei der nördlichen, scheinbar nicht benutzten Einfahrt zur Firma KSG an der B34 in Zitternberg (Koordinaten 48.586978, 15.652742), aufgenommen!

Nun zur obligaten Frage, ob ich diese Wanderung empfehlen würde. Nun, auch wenn sie etwas abenteuerlich war, würde ich sie weiterempfehlen. Die Beschilderung ist absolut verbesserungswürdig und man sollte sich ausreichend Zeit einplanen. In anderthalb Stunden ist sie zu schaffen, aber nur, wenn man sich nicht verirrt.

Für größere Kinder ab ca. 8-10 Jahren kann die Suche nach dem richtigen Weg vielleicht sogar zu einem lustigen Abenteuer werden. Allerdings würde ich nur Kinder mitnehmen, die erstens trittsicher und zweitens nicht zu übermütig sind, da die Wege zum Teil sehr schmal sind und es auf der Ruine selbst viele steil abfallende Stellen gibt. Rückblickend war ich dieses Mal ausnahmsweise froh, die Wanderung ohne meinen fünfjährigen Sohn gemacht zu haben.

Wegen vieler zugewachsener Wege und den vielen Insekten würde ich wie erwähnt lange Hosen und Insektenschutz empfehlen.

 

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Und ich selbst habe aus dieser Wanderung gelernt, dass man vielleicht auch bei Wanderungen in der Nähe der Heimat, die vielleicht nur als „etwas größere Feiertagsspaziergänge“ geplant sind, ein Ersatz-T-Shirt im Rucksack (nicht nur im Auto!), eine Regenjacke und eine Rettungsdecke mitnehmen sollte.

Sämtliche Angaben in meiner Schilderung sind natürlich ohne Gewähr!

 

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