Esskunst, Yoko Onos Schachspiel und ganz viel Inspiration

02.09.2018

Gestern habe ich mir zum ersten Mal das seit 2009 bestehende Ausstellungshaus Spoerri in Hadersdorf am Kamp angesehen.

Der 1930 in Rumänien und später in der Schweiz aufgewachsene Daniel Spoerri, der auch viele Jahre in Frankreich und Deutschland gelebt hat, lebt seit 2007 in Wien. Er gilt als Mitbegründer von Nouveau Réalisme, erfinder der Eat-Art und Vertreter des Fluxus.

Im Erdgeschoß des von ihm „Ab-Art“ genannten Ausstellungshauses sind die neuesten Werke Spoerris zu sehen: Derzeit sind es vor allem kleinformatige Werke, die er aus Dingen, die er bei Wiener Flohmärkten gefunden hat, geschaffen hat. Außerdem seine umfangreiche Spazier- und Wanderstocksammlung.

Auch der Hof und der hinter der Scheune gelegene Garten zeigen Werke des Künstlers, hier natürlich vor allem größere Plastiken.

Das große Schachspiel mit ausschließlich weißen Feldern und Figuren stammt jedoch von Yoko Ono, einer Künstlerin, die man keinesfalls nur auf ihre Ehe mit John Lennon reduzieren darf.

Das „Play It By Trust“ genannte Werk fordert auf, so lange zu spielen, „wie man sich erinnern kann, wer der Gegner ist und wer man selber ist“. Ein Statement, das einem zum Nachdenken bringt, selbst wenn man noch gar keine Figur berührt hat…

Im Obergeschoß ist noch bis bis 28. Oktober 2018 die Ausstellung „FLUXUS II – Fluxus am Kamp“ zu sehen. Die Liste der ausstellenden Künstler liest sich wie das Who-is-Who des Fluxus: Takako Saito, George Brecht, John Cage,…

Dazwischen aber auch immer wieder Stationen, die zum Mitmachen einladen, wie hier eine Magnettafel, bei der man mit metallischen (und somit an der Tafel haften bleibenden) Gegenständen sein eigenes Bild von Fluxus gestalten soll…

…oder die „Spielköpfe“ von Takako Saito, in die man Murmeln werfen darf.

Wer sich für Nouveau Réalisme und Fluxus interessiert, findet hier eine Ausstellung, deren Bedeutung man gar nicht übertrieben darstellen kann. Aber selbst wer meint, dass das alles keine Kunst ist, kann hier eine Menge Spaß haben und Inspiration finden. Natürlich auch Kinder, denn die Ausstellung ist meiner Meinung nach im Großen und Ganzen kindertauglich. Vielleicht muss man bei manchen Werken mit abgerissenen Puppenköpfen manche Kinder „vorbeilocken“.

Weitere Informationen unter www.spoerri.at.

Wer noch Zeit hatte und noch kein Mittagessen eingeplant hat, sollte dann noch das von Daniel Spoerri initiierte und gestaltete Esslokal aufsuchen. Ich persönlich werde das sicherlich schnell einmal nachholen.

Bleibt noch die Frage offen, „warum gerade Hadersdorf“? Nun, nehmen Sie sich noch eine Viertelstunde Zeit und wandern Sie um den riesigen Hauptplatz herum – ein derart gut erhaltener Hauptplatz mit Häusern, die vor allem aus Mittelalter bis Barock stammen (das Ausstellungshaus ist übrigens aus der Renaissancezeit), ist wirklich selten zu finden! Architektonisch auch sehr interessant ist der mittelalterliche Karner.

 

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