Kulturausflug nach Bratislava

01.07.2019

Am 29. Juni 2019 nahmen wir an einer von den „Freunden der Kunstmeile Krems“ organisierten Busfahrt in die Hauptstadt der Slowakei teil.

Unser erstes Ziel war das Danubiana Meulensteen Art Museum in Čunovo, einem Stadtteil im Südosten Bratislavas.

Das Museum befindet sich auf einer Halbinsel inmitten der Donau. Die Halbinsel entstand durch den Bau des Kraftwerks Gabčíkovo.

Gegründet wurde das Museum vom slowakischen Galeristen Vincent Polakovič und dem niederländischen Kunstsammler und Unternehmer Gerard Meulensteen, einem ehemaligen Philips-Mitarbeiter, der sich 1969 selbständig machte und mit einem eigenen Elektronikunternehmen, der heutigen Neways-Gruppe zu seinem Vermögen kam, von dem er vieles in moderne Kunst investierte.

Die Eröffnung des ersten, ovalen und weiter hinten gelegenen Baukörpers, der von Peter Žalman geplant worden war, erfolgte im September 2000.

Das Gebäude ist von einem rund 8.000 m² großen Skulpturenpark umgeben.

2011 schenkte Meulensteen das Museum der Republik Slowakei.

2013 wurde die Erweiterung des Museums gestartet. Es wurde die zweite, näher zur Straße liegende Halle errichtet, in der heute der Shop und der Kassenbereich untergebracht sind.

Der direkte Blick auf die Donau macht den Museumsbesuch zu einem besonderen Erlebnis, stellt aber merkbar auch eine große Herausforderung an die Präsentation der Objekte dar.

Das Museum zeigt einerseits Werke aus der eigenen Sammlung zeitgenössischer Kunst aus aller Welt. Andererseits werden auch stets mehrere temporäre Ausstellungen präsentiert.

Wir konnten gleich vier temporäre Ausstellungen ansehen: Die erst 27-jährige Adela Režná präsentierte ihre Illustrationen, ebenso der gerade einmal 24 Jahre alte Jozef Gľaba. Zwei junge Talente, die auch viel Humor zeigen. Besonders gefallen haben mir die Kinderbuchillustrationen von Adela Režná. Wer weiß, vielleicht sieht man diese Werke auch einmal im Karikaturmuseum Krems

Mein persönliches Highlight bei diesem Museumsbesuch war die Ausstellung des weltbekannten russischen Avantgardisten El Lissitzky (1890-1941) und den zum Teil auf den Werken Lissitzkys basierenden bzw. von Lissitzky inspirierten Schöpfungen des 1946 geborenen slowakischen Künstlers Rudolf Sikora.

Die Ausstellung zeigte nicht nur von Lissitzky geschaffene Bilder, vor allem Graphiken, sondern auch Installationen, ein Modell des von ihm designten Sessels, Baupläne für moderne Wohnungen sowie ein Modell eines von ihm geplanten Bürohochhauses. Eine sehr beeindruckende Werkschau eines Künstlers, der auch in Deutschland wirkte und die Kunstrichtungen De Stijl genauso beeinflusste wie das Bauhaus, das bekanntlich 2019 den 100. Geburtstag feiert.

Leider lief diese Ausstellung – genauso wie die Ausstellungen über die jungen slowakischen Illustratoren – nur bis 30. Juni 2019, ich hätte sie mir gerne noch einmal angesehen.

Von den Besuchern etwas unterschiedlich aufgenommen wurde Fata Morgana, die Ausstellung des slowakischen Glaskünstlers Ján Zoričák.

Die Glaskunstwerke werden nämlich in einem etwas künstlich-rustikalen Ambiente präsentiert: Die Kunstwerke stehen auf Baumstämmen, die inmitten von Steinen auf Rindenmulch stehen, die Besucher gehen über einen auf Folie gedruckten Steinpfad, im Hintergrund eine riesige Fototapete mit einem Bergmotiv, wohl aus der Hohen Tatra, der Heimat des Künstlers.

Mich persönlich hat jedoch eher das natürliche, durch die Fenster fallende Licht gestört, das meiner Meinung nach den Glaskunstwerken viel von ihrem Reiz genommen hat.

Diese Ausstellung läuft noch bis 8. September 2019.

Beeindruckend ist auch der riesige Skulpturengarten, der die Kunstwerke vor dem Hintergrund der vorbeiströmenden Donau präsentiert. Für dieses einzigartige Natur-Kultur-Erlebnis sollte man sich auf jeden Fall auch noch ausreichend Zeit einplanen.

Insgesamt ist das Danubiana Meulensteen Art Museum ein tolles Museum, das schon alleine wegen seiner einzigartigen Lage einen Besuch wert ist.

Weitere Informationen finden Sie unter www.danubiana.sk!

 

 

 

Danach ging es in die Altstadt, genauer gesagt auf den großen Hviezdoslav-Platz, wo wir im Restaurant Zylinder unter schattigen Bäumen speisten.

Ein Restaurant mit Niveau in Service und Küche und zu angemessenen Preisen, das auch viele slowakische Spezialitäten bietet. Ich kann es allen, die so etwas suchen, sehr empfehlen. Wer möglichst billig möglichst viel Schnitzel fressen möchte, muss und soll sich aber etwas anderes suchen.

Infos zum Restaurant unter www.zylinder.sk!

Gestärkt ging es dann in die Galerie Nedbalka, einer Galerie für moderne Slowakische Kunst.

Die Galerie befindet sich in einem historischen Gebäude in einem der ältesten Teile Bratislava, am östlichen Ende der Altstadt.

Das Gebäude wurde für die Galerie komplett entkernt und fasziniert mit spektakulärer Architektur. Mit Viktória Cvengrošová und Jarmila Kusá waren übrigens auch zwei ArchitektINNEN am Entstehen des heutigen Erscheinungsbildes beteiligt.

Im Erdgeschoss ist noch bis 22. September 2019 eine Ausstellung zum 100. Todestag des slowakischen Landschaftsmalers Ladislav Mednyánszky zu sehen.

Die oberen vier Stockwerke zeigen Werke slowakischer Künstler von der Jahrhundertwende 19./20. Jahrhunderts (im 4. Stock) bis heute (im 1. Stock).

Für mich war die Architektur des Gebäudes das absolute Highlight, weltbekannte und weltbewegende Werke darf man nicht erwarten. Man muss aber natürlich auch die Kunst in einem historischen Zusammenhang sehen und darf nicht vergessen, dass Bratislava erst seit 26 Jahren wieder Hauptstadt ist. Zum Ende der Donaumonarchie hatte das damalige Pressburg (Bratislava ist übrigens ein „künstlicher“ Name, der 1919 an Stelle von Pressburg bzw. slowakisch Prešporok und ungarisch Pozsony, gewählt wurde) in etwa so viele Einwohner wie Linz. Die Hauptstädte der Monarchie, Wien und Budapest, lagen in der Nähe und zogen entsprechend auch die Künstler an. Die erste Universität der Slowakei wurde erst 1919 gegründet. In der Zwischenkriegszeit und während der Zeit des Kommunismus war die Slowakei die arme, agrarisch geprägte Schwester des industriell hochentwickelten tschechischen Landesteils der Tschechoslowakei mit der drei Mal so großen „Goldenen Stadt“ Prag als Hauptstadt. Die „Blüte“ Bratislavas begann ja erst mit der staatlichen Eigenständigkeit der Slowakei 1993 und dem EU-Beitritt 2004.

Für eine „rückständige Agrarregion“ war das künstlerische Schaffen dann eigentlich doch beeindruckend.

Nähere Informationen unter www.nedbalka.sk!

Abschließend ging es dann individuell durch die wunderschöne Altstadt zurück zur Donau, wo uns der Bus erwartete.

Obwohl dies mein bereits 15. Besuch in Bratislava war, habe ich bei dieser Busfahrt wieder viel neues entdeckt, was den Rang Bratislavas unter meinen persönlichen Lieblingsstädten weiter verfestigt hat.

 

 

 

Einen Besuch Bratislavas kann ich sowieso nur empfehlen. Die Stadt ist wunderschön und sauber, die gesamte Altstadt ist Fußgängerzone, wodurch man auch mit kleineren Kindern vergleichsweise gut die Stadt erkunden kann. Da die Stadt relativ klein ist, kann man eigentlich alles zu Fuß erkunden, auch zur Burg kommt man leicht zur Fuß hoch, ohne Straßen überqueren zu müssen oder entlang von Straßen gehen zu müssen.

Touristische Informationen zu Bratislava gibt es unter www.visitbratislava.com!

Ebenfalls empfehlen kann ich allen Kulturfreunden eine Mitgliedschaft bei den Freunden der Kunstmeile Krems, die nicht nur so tolle Fahrten organisieren, sondern z.B. auch eine kostengünstige Jahreskarte anbieten, mit der man dann die Kremser Kulturinstitutionen (Landesgalerie, Kunsthalle, Karikaturmuseum und Forum Frohner) beliebig oft besuchen darf.

Herzlichen Dank vor allem an Frau Renate Hirtzberger für die Organisation dieser interessanten Fahrt!

 

 

 

 

 

Berichte von weiteren Ausflügen: