Chery Tiggo 8

Chery Tiggo 8 – Merci für die Stunden, Chery!

16.07.2026

Chery betritt den österreichischen Markt mit vier SUVs. Ich durfte den siebensitzigen Tiggo 8 bereits testen.

Zu den jüngsten Neuzugängen auf dem österreichischen Markt zählt Chery. Der Konzern ist ja nicht ganz neu hier, mit den Marken Jaecoo und Omoda mischt man bereits im SUV-Markt mit. Nun ist auch die Mutter selbst mit der Tiggo-Familie in bei uns gestartet.

Chery gibt es seit 1999. Damals begann man mit dem Lizenzbau des SEAT Toledo I, der von einem ausrangierten Ford-Motor angetrieben wurde, kurzum: ein Mischmasch aus 80er-Jahre-Technik. Spätere Modelle ähnelten stark Chevrolet-/Daewoo-Modellen. Wie gesagt, später. Die damals manchmal aufgestellte Behauptung „Chery“ sei praktisch ein geklauter Name mit ausgetauschtem Buchstaben, stimmt also nicht. Eines ist aber klar: Diese Zeiten hat Chery längst zurückgelassen.

Die Tiggo-Familie zählt derzeit 4 Mitglieder, beginnend beim Tiggo 4 über den Tiggo 7 bis hin zu den siebensitzigen Tiggo 8 und Tiggo 9. Allen gemeinsam ist der Benzinantrieb, der bei den meisten Modellen von Elektromotoren unterstützt wird. Die größeren Modelle sind allesamt Plugin-Hybride.

Chery Tiggo 8

Als mein alter Diesel ein Software-Update benötigte (ja, sowas gibt es nicht nur bei E-Autos!), bekam ich vom Autohaus Mitterbauer-Smola in Krems die Gelegenheit, ein paar Stunden mit dem Chery Tiggo 8 unterwegs zu sein.

Chery Tiggo 8
Der derzeit zweitgrößte SUV des Unternehmens macht einen stattlichen Eindruck, ohne zu protzen. Um die Fenster und um den riesigen Kühlergrill herum gibt es jede Menge Chrom. Mich erinnert das irgendwie an die barocken japanischen Flaggschiffe der 1970er- und frühen 1980er-Jahre. Auch die haben ja viel Luxus, Top-Ausstattung und Oberklasse-Abmessungen zum Mittelklasse-Preis geboten.
Chery Tiggo 8
Das Äußere mag noch nicht 100% stilsicher sein und vor allem am Wiedererkennungswert müssen die Chery-Designer noch etwas arbeiten. 100% stilsicher ist aber der Innenraum. Sämtliche Materialien wirken nicht nur edel, sondern sind auch perfekt aufeinander abgestimmt und ebenso perfekt verarbeitet. Keine protzige Klavierlack- und Leder-Orgie, sondern ein harmonisches Wohlfühl-Ambiente mit grandioser Haptik.
Chery Tiggo 8
Erstaunlich: Zum Starten muss kein Schlüssel gedreht und kein Knopf gedrückt werden. Einfach den Hebel auf „D“ stellen und los geht’s. Da der 18,4 kWh-Akku komplett geladen war, ging es rein elektrisch im Eco-Modus los. In diesem sind keine Beschleunigungs-Exzesse möglich, für 90% der Alltagssituationen reicht die Leistung.
Chery Tiggo 8
Das Umstellen von reinem E-Antrieb auf Plugin-Hybrid-Antrieb im Eco-Modus gleicht einem kleinen Kulturschock. Eben noch spritzig unterwegs, fühlt es sich an, als hätte jemand leicht die Handbremse angezogen. Im Normal-Modus fühlt es sich dann schon besser an. Erst im Sport-Modus, der keinen reinen E-Antrieb erlaubt, entfalten die beiden Motoren dann ihre komplette Leistung von 205 kW (279 PS).
Der 1,5-Liter-Turbobenzinmotor brummelt dabei geräuscharm und emotionslos irgendwo vor den Zehen des Fahrers vor sich hin. Wer auch immer behauptet, nur Verbrennermotoren könnten Emotionen liefern, wird vom Tiggo 8 eines Besseren belehrt. Nicht nur das Wort Emotion beginnt bei ihm mit E. Dennoch: Der Benzinmotor tut brav seinen Dienst und jault auch auf Bergstrecken nicht auf. Auch die Zusammenarbeit zwischen Verbrenner- und E-Motor läuft perfekt, ja fast unbemerkt.
Chery Tiggo 8
Noch mehr Emotionen als beide Motoren zusammen liefert jedoch die Soundanlage, die von niemand geringerem als SONY beigesteuert wird, das Auto in einen kleinen Konzertsaal mit je nach Ausstattung bis zu 12 Lautsprechern verwandelt und das Bedürfnis, irgendwas von einem Motor hören zu wollen, im Keim erstickt.

Dass so ein Mittelklasse-SUV trotz 279 PS Systemleistung kein Sportwagen und kein Kurvenräuber ist, sollte klar sein. Dennoch schafft er auch zügig gefahrene Kurven ohne Untersteuern und ohne viel Wanken.

Der Akku lässt sich an der Ladesäule auf bis zu 100% aufladen, sinkt der Ladestand unter 16% wird der Benzinmotor zwangsweise dazugeschalten. So sind rund 90 km rein elektrisch möglich. Auf den Akku bietet Chery 8 Jahre oder 160.000 km Garantie, man darf also großzügig vom rein elektrischen Fahren möglichst viel Gebrauch machen.

Chery Tiggo 8

Auf dem großen mittigen Bildschirm flackert inzwischen das Lagerfeuer an einem Bergsee. Wie fast alle chinesischen Hersteller, dominiert auch beim Chery die Bedienung über den Touchscreen. Das Menü ist nicht zu verschachtelt, die eine oder andere Funktion wie z.B. die Einstellung der Außenspiegel, musste ich dennoch kurz suchen.

Die Klimaanlage hat ordentlich gearbeitet, zusätzlich gibt es in der teureren Unique-Ausstattung sogar noch eine Sitzkühlung. In dieser Ausstattungsvariante hat der Beifahrersitz auch noch eine Massagefunktion und auch die Sitze in der 2. Reihe sind dann beheizbar.

Wer lieber klassisch klimatisiert findet Fensterheberknöpfe mit einer unglaublich angenehmen Haptik vor. Es ist tatsächlich erstaunlich, auf wie viele kleine Details in China mittlerweile geachtet wird.

Chery Tiggo 8
Dass das Einparken mit Hilfe zweier Kameraansichten auf dem Display kinderleicht fällt, brauche ich wohl nicht erwähnen. Erwähnen muss ich jedoch, wie einfach das Aussteigen geht. Chery hat es tatsächlich geschafft, Tür- und Sitzposition so aufeinander abzustimmen, dass selbst übergewichtigen Menschen wie mir ein kleiner Türspalt reicht, um bequem aus dem Auto zu kommen.
Chery Tiggo 8
Vor dem Ausstieg wartet aber noch eine Herausforderung. Mangels Startknopf muss man beim Tiggo 8 erst einmal auf dem Bildschirm von oben nach unten wischen und danach den Button „Fahrzeug ausschalten“ antippen.
Chery Tiggo 8
Zum Verbrauch kann ich nicht viel sagen, meine rund 21 kWh Strom + 0,3 l Benzin auf 100 km waren vor allem sportlicherem Fahren zuzuschreiben. Bei enstprechend sanfter Behandlung sollte die WLTP-Angabe von 15,5 kWh + 2,5 l locker zu schaffen sein.
Kommen wir abschließend zum Preis. Chery ruft derzeit in Österreich EUR 37.990,- für die „Luxury“-Ausstattung auf. So nennt sich die Basisausstattung allerdings mit vollem Recht. Das komplette Luxuspaket gibt es um 40.990,- in Weiß bzw. 41.890,- in Sonderfarben.
Chery Tiggo 8

FAZIT:

Mit dem Tiggo 8 bietet der Newcomer Chery ein stattliches und geräumiges siebensitziges SUV mit unglaublicher Luxus-Ausstattung und edlen, perfekt aufeinander abgestimmten Materialien. Auch die beiden Motoren sind perfekt aufeinander abgestimmt und bieten genauso wie das Fahrwerk unauffällige, aber solide Leistung. Insgesamt ist der Chery ein Auto für Genießer, die darauf achten, dass ihnen nach Abzug der KFZ-Kosten noch genügend Geld für andere Genüsse auf dem Konto bleibt.

Der Test verging viel zu schnell und so sage ich „Merci für die Stunden, Chery!“.

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