Hyundai IONIQ5 First Edition – Werden die ersten die letzten sein?
15.11.2025
Durch Zufall durfte ich einen der ersten 150 Hyundai IONIQ5 kurz testen. Wie fühlt sich ein dreijähriges E-Auto an?
Normalerweise teste ich ja Neufahrzeuge, die mir in perfektem Zustand und penibel kontrolliert übergeben werden. Manchmal kommt es aber auch anders und so hatte ich vor Kurzem die Möglichkeit, einen Hyundai IONIQ 5 – für mich und den Händler völlig spontan – ausprobieren.
Der Morgentau bezeugt: Hier wurde nichts für mich präpariert, am frühen Montagmorgen nach einer Hausmesse (!) wurde mir das Auto übergeben.
Und dieses Fahrzeug ist tatsächlich aus der “First Edition”, also einer der ersten 150 Serienfahrzeuge des Hyundai IONIQ5.
Rund 3 Jahre und über 50.000 Kilometer hat dieser auf dem “Buckel”, wobei er natürlich gar nicht buckelig wirkt. Mit seinem eckigen Design und der zweifarbigen Lackierung erinnert er mich etwas an den Simca/Talbot Horizon, der zeitweise regional auch als Chrysler, Dodge, Shelby und SAAB verkauft wurde. Viele kennen den heute nicht mehr, manche haben wegen der damals üblichen “französischen” Verarbeitungsqualität nicht so gute Erinnerungen. Meine Erinnerung betrifft den Horizon der Mutter meines besten Schulfreundes.
Der hat übrigens vier Geschwister und nach damaliger Gesetzgebung war es sogar legal, die alle auf der Rücksitzbank unterzubringen, was beim Horizon kein Problem war, da er von der Breite näher am Passat als am Golf war. Diese Tugend kann man durchaus auch dem IONIQ5 zuweisen und auch der (nicht fotografierte) Kofferraum liegt weit über dem Klassenniveau.
Eine allerletzte Parallele zum Horizon ist die umfangreiche und ihrer Zeit vorauseilende Ausstattung. Besonders nett im IONIQ5 sind die Seitenkameras, die sich beim Blinken einschalten und eine enorme Hilfe beim Einparken sind.
Ganz anders als im Horizon ist jedoch die Qualität. Die ist wie bei Koreanern nicht anders zu erwarten, perfekt. Stoff und Kunstleder sind geschmackvoll abgestimmt. Auch nach 50.000 km als Vorführer, auf denen das Auto sicherlich nicht nur liebevoll und zärtlich behandelt worden ist, klappert nichts. Weder Stoffe noch Leder sind irgendwo durchgewetzt, lediglich das Lederlenkrad ist bereits etwas abgegriffen. Da weiß ich aber aus eigenen Vergleichen, dass das stärker von den Benutzer:innen als vom Hersteller abhängt.
Auch bei der Bedienung ist der Hyundai nach drei Jahren noch mehr als Up-to-date. Das Auto bedarf keiner besonderen Erklärung, so gut wie alles ist dort, wo man es erwartet. Fast alles, was man wirklich machen muss, kann man auch ohne den mittigen Bildschirm und wenn nicht, dann braucht man auch keine Angst haben, die Menüführung ist verständlich und vorbildhaft. Eine einzige Sache ist mir leider bei der Bedienung doch abgegangen, nämlich ein ordentlicher Griff, um die Türen zuzuziehen.
Ein witziges Feature sind die Solarzellen im Dach, die aber natürlich maximal Energie für Komfortfeatures liefern können. Die rund 17 kWh/100 km, die der Hyundai zum Fahren benötigt, können sie natürlich nicht liefern. Apropos Verbrauch und Leistung: Ich hatte natürlich keine Möglichkeit, es auch nur annähernd wissenschaftlich zu überprüfen, aber Daumen mal Pi gerechnet wäre mir bei Verbrauch, Ladestand und Restreichweite nichts aufgefallen, was irgendwie auf einen Leistungsverlust des Akkus hingedeutet hätte. Ehrlicher Weise hätte ich das aber auch nicht erwartet.
Auch beim Fahren lassen sich subjektiv keine Alterungs- oder Abnutzungserscheinungen erkennen. Der IONIQ5 bietet gute Fahrdynamik und wesentlich mehr Leistung, als man in dieser Klasse benötigt.
Fazit:
Ein drei Jahre alter Hyundai IONIQ5 gehört auch in einer Phase in der sich die E-Mobilität enorm schnell weiterentwickelt, noch lange nicht zum alten Eisen und kann vieles besser als so manches eben erst präsentiertes Fahrzeug. Mit seinem klassisch-kantigen Design und der klaren Linienführung, der intuitiven Bedienung und der feinen Materialabstimmung wird er sicherlich auch dann noch Freude bereiten, wenn uns manch anderes derzeit moderne Fahrzeug mit Leder- und Klavierlackexzessen, unheimlich komplexen Menüs und unverständlichen Abomodellen nur noch nervt. Die hochwertige Qualität in sämtlichen Belangen und die konsequente, allen marktschreierischen Scheinangeboten ferne Preisepolitik von Hyundai werden auch noch ihres dazu beitragen.
Ich bin mir sicher, dass der biblische Spruch von den “ersten, die die letzten sein werden”, auf den Hyundai IONIQ5 zutrifft, allerdings natürlich im Gegensatz zur Bibel positiv gesehen. Dass dieses Auto, wenn nichts unvorhergesehenes passiert, auch dann noch fahren wird, wenn der Großteil der anderen Fahrzeuge seines Baujahrs bereits von den Straßen verschwunden ist, gilt für mich als gesetzt.
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