Ein Rundgang durch die Weltkulturerbe-Stadt Telč
08.07.2026
Die 1207 erstmals urkundliche erwähnte Kleinstadt Telč (deutsch Teltsch) im mährischen Okres Jihlava (Bezirk Iglau) gehört zu den schönsten und romantischsten Kleinstädten Mährens. Die Innenstadt wrude bereits 1970 zum “Städtischen Denkmalreservat” erklärt, seit 1992 ist sie UNESCO-Weltkulturerbe.
Als Ausgangspunkt für diese rund fünf Kilometer lange Erkundungstour habe ich den Parkplatz P1 an der Slavatovská gewählt.
Auf dieser geht man erst einmal ein Stück in Richtung Osten.
Dann biegt man rechts auf die Straße Na Baště (“Auf der Bastion”) ab.
Kurz darauf siehst Du linkerhand den nördlichsten der Teltscher Teiche, den Štěpnický rybník (Stepnitzer Teich). Rechterhand siehst Du eine Statue, die den Heiligen Prokop von Sázava darstellt.
Durch das Dolní brána (Untere Tor) betrittst Du die Innenstadt.
Das Restaurant im Teltscher Schloss zu Deiner Rechten ist nach der Romanfigur des Soldaten Švejk (deutsch meistens Schwejk geschrieben) benannt.
Gleich danach erreicht man den Hauptplatz, dessen offizielle Bezeichnung “Náměstí Zachariáše z Hradce” (Zacharias von Neuhaus-Platz) lautet. Der 1527 geborene Adelige war von 1550 bis zu seinem Tod 1589 Herrscher von Teltsch. Diese Zeit wird in der Stadt auch “Goldenes Zeitalter” genannt.
Biegt man links auf den Platz ab, fällt einem sofort der Stadtturm ins Auge, zuvor sieht man noch den 1535 errichteten Margaretenbrunnen.
Besonders schön sind die Arkadengänge, die einen Stadtrundgang auch im Sommer angenehm machen.
Das Rathaus wurde im 15. Jahrhundert errichtet und entstand aus der Verbindung zweier gotischer Häuser, wovon man aber seit dem Umbau im Stil der Renaissance im Jahr 1547 nichts mehr sieht. Im Rathaus befindet sich übrigens auch die Tourismusinformation.
Natürlich ist jedes einzelne Haus auf dem Hauptplatz wunderschön. Besonders erwähnenswert ist jedoch das Sgraffitohaus (Nr. 61), das 1532 errichtet und 1555 mit Sgraffiti von 11 alttestamentarischen Kriegsführern ausgestaltet wurde. Kaum zu glauben, dass diese irgendwann überstrichen und erst 1953 wiederentdeckt wurden.
Die Mariensäule (Mariánský sloup) wurde zwischen 1716 und 1720 errichtet und wird alternativ auch “Pestsäule” genannt.
Nach der Mariensäule geht man am Oberen Brunnen mit der Statue des Silenos mit dem kleinen Dionysos.
Ein Gedenkstein erinnert an den 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ermordeten Maler František Mořic Nágl.
Am südlichen Ende des Hauptplatzes biegen wir rechts auf die Palackého ab.
In dem im 17. Jahrhundert errichteten Teltscher Haus (Telčský dům) kann man eine Ausstellung zur Geschichte der Stadt ansehen.
Gleich danach sticht der spätromanische Heilig-Geist-Turm ins Auge. Dieses Gebäude ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt und wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet. bis zu einem Brand im Jahr 1655 soll der Turm noch um 2,5 m höher als heute gewesen sein.
Der Aufstieg auf den heute 49 m hohen Turm über 97 Stufen zahlt sich auf jeden Fall aus, ebenso die 60 CZK (ca. 2,50 EUR; Stand Juni 2026) Eintritt. Die Aussicht in alle Himmelsrichtungen ist nämlich trotz des Schutzgitters wunderbar.
Über das Horní brána (Obere Tor) verlassen wir die Stadt und gehen ein Stück auf der U Horní brány (Obere Tor-Gasse) weiter.
Danach biegen wir auf die Svatoanenská (Sankt-Anna-Straße) ab.
Rechterhand erblicken wir eine Statuengruppe, die die Heilige Familie darstellt.
Später machen wir links einen Abstecher durch das Tor…
zur 1695-1698 errichteten St.-Anna-Kirche. Der Friedhof wurde bereits 1672 von der St.-Jakob-Kirche, die wir später noch sehen werden, hierher abgesiedelt.
Auch heute noch sind zahlreiche deutschsprachige Inschriften zu finden.
Danach gehen wir zurück zur Svatoanenska, die kurz danach in die Masarykova (Masaryk-Straße; benannt nach dem ersten Nachkriegspräsidenten der Tschechoslowakei, Jan Masaryk) übergeht. Beim Kreisverkehr biegen wir links auf die Staňkova (Stankauer Straße) ab, bei der Kreuzung auf die Na Posvátné. Nach dem Haus 147 biegen wir links auf den Fußweg…
zum Štěpnický rybník (Stepnitzer Teich) ab.
Inmitten des Teichs befindet sich die Stepnitzer Insel (Štěpnický ostrov).
Der Weg führt an einem Spielplatz vorbei.
Bald treten auch die Sankt-Jakobs-Kirche und das Schloss in Blickfeld.
Ein Stein an der Friedhofsmauer erinnert an einen damals zehnjährigen Buben, der hier nach dem 2. Weltkrieg beim Erkunden einer im abgelassenen Teich gefunden Granate getötet wurde.
Am Ende des Weges biegen wir rechts in den quer verlaufenden Weg ein.
Der Weg endet beim Unteren Tor an der Na Baště (“Auf der Bastion”), die wir nun überqueren.
Dann betreten wir den Schlosspark.
Der Weg führt in einer Kurve um die Nordseite des Schlosses, das auf eine Burg aus dem 12. Jahrhundert zurückgeht. In der Renaissancezeit wurde es stark umgebaut.
An der rechten Seite führt dann en Weg über eine Brücke, wir gehen hier aber noch geradeaus weiter.
Erst vor dem Ulický rybník, dem Unteren Stadtteich biegen wir rechts ab.
Auf der Brücke überqueren wir den Nebenarm des Teiches.
Bei der nächsten Kreuzung biegen wir links ab und überqueren einen kleinen Bach.
Auch in diesem Teich gibt es eine kleine Insel.
Der Blick zur Altstadt ist von hier aus noch schöner als vom Stebnitzer Teich. Das dominante Gebäude ist übrigens das ehemalige Jesuitenkolleg. An diesem werden wir später noch vorbeikommen.
Durch das Zauntor verlassen wir den Schlossgarten.
Dann biegen wir links in den quer verlaufenden Weg ein. Hinter dem Zaun befindet sich übrigens das Gymnasium.
Auf der nächsten Brücke überqueren wir den Teich.
Von der Brücke aus sehen wir die Teile der Stadt, die wir bereits kennen gelernt haben,…
und jene, die wir noch erkunden werden.
Wir gehen ein Stück auf der U Masných krámů (was soviel wie “Bei den Fleischbänken” bedeutet) und biegen dann links in die Seminářská (Seminarsgasse) ab.
Auch diese Seitengassen haben ihren ganz besonderen Flair.
Die Seminářská endet an der náměstí Jana Kypty, die nach dem Teltscher Komponisten Jan Evangelista Kypta (1813-1868) benannt ist. Vor uns liegt die Pfarrkirche St. Jakob (Kostel svatého Jakuba Staršího), die im 14. Jahrhundert errichtet wurde. Wir biegen hier rechts ab.
Rechterhand befindet sich das Jesuitenkolleg, das 1651 errichtet wurde. 1773 wurde es von Kaiser Joseph II. aufgelöst. Danach diente es unter anderem als Kaserne, als Mädchenschule und als Museum. Heute beherbergt es das Univerzitní centrum Telč, die Seniorenuni (offiziell “Universität des dritten Lebensalters”) der Masaryk-Universität Brünn.
Über den Arkadengang an der Nordseite der Kirche…
gelangen wir zum Kirchturm.
Über zahlreiche teilweise sehr schmale und sehr enge Treppen (insgesamt 40 Stein- und 105 Holzstufen) und auch durch sehr niedrige Räume…
geht es auf den Kirchtum, von dem aus sich ein wunderbarer Blick über die ganze Stadt bietet. Auch hier ist ein kleiner Obulus zu berappen.
Wieder unten angelangt, kann man linkerhand zum Schloss abbiegen und dieses besichtigen.
Die Innenhöfe des staatlichen Schlosses sind kostenlos zu besichtigen (Stand 06/2026; Angaben ohne Gewähr). Kostenlos ist übrigens auch die gut gepflegte öffentliche Toilette im Schloss.
Hier noch eine Aufnahme des Universitätszentrums. Westlich des Gebäudes befindet sich übrigens die Jesu-Namen-Kirche (Jména Ježíš), die 1667 fertiggestellt wurde und damals den Jesuiten gehörte.
Danach bietet es sich an, noch einmal über den Hauptplatz zu schlendern, eines der zahlreichen Cafés und Restaurants zu besuchen und sich mit typisch tschechischen Mitbringseln einzudecken. An der Ostseite des Schlosses entlang verlassen wir die Altstadt über das Untere Tor.
Am Heiligen Prokop vorbei geht es zur…
Slavatovská, in die wir links einbiegen, um wieder zum Parkplatz zu gelangen.
Quickfacts:
Länge: 4,7 km
Dauer: ca. 01:15 (reine Gehzeit, ohne Besteigung der Türme und Besuch der Kirchen und Museen!)
Höhendifferenz: ca. 12 m
GPS-Daten: Download
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