Der (fast) vergessene Bergbau in Krems

19.05.2019

Meine Heimatstadt Krems an der Donau kennt man ja als Weinstadt am Rande der Wachau, als Kulturstadt, als Bildungsstadt, vielleicht auch noch als Industriestadt, aber dass in meiner Heimatstadt Krems auch einmal Bergbau betrieben wurde, war auch mir bis vor einigen Jahren nicht bekannt. Und wäre nicht mein ehemaliger Geometrie-Professor Mag. Dr. Thomas Müller bei der historischen Aufarbeitung des Bergbaus so engagiert gewesen, wüsste ich vielleich auch heute noch nichts über den Bergbau im heutigen Krems.

Im Rahmen des Internationelen Museumstags am Samstag, 18. Mai 2019, der in Niederösterreich gleich auch noch auf den Sonntag, 19. Mai 2019 ausgedehnt wird und als Museusmfrühling gefeiert wird, habe ich eine sehr interessante Wanderung auf Teilen des Bergwerkgedenkwegs im südlich der Donau gelegenen Kremser Stadtteil Thallern mitgemacht. Geführt wurde die Wanderung vom Leiter des Bergwerkgedenkwegkomitees, Leopold Koller.

Der Braunkohlebergbau südlich von Krems begann 1758, später wurde auch Alaunschiefer abgebaut sowie Ton zur Erzeugung von Ziegeln. Das Bergbaugebiet umfasste die heute zu Krems gehörenden Orte Brunnkirchen, Thallern und Angern sowie das zu Furth bei Göttweig gehörende Oberfucha und das zu Paudorf gehörende Tiefenfucha.

 

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Gestartet wurde beim Gasthaus Gusenbauer in Thallern, ein paar Meter weiter, beim ehemaligen Milchhaus, befindet sich ein Modell eines Förderturms.

Dann ging es in die Weingärten (im Bild die Urbani-Kapelle), wo wir einen beeindruckenden Überblick über die unglaubliche Größe des unterminierten Bereichs und der Abbruchhalden bekamen. Auch wenn der Großteil des weitverzweigten Stollensystems zugeschüttet wurde, kommt es hin und wieder zu Einbrüchen wie zuletzt im Februar in einem Weingarten. Die Häuser der Gegend mussten und müssten jedoch so errichtet werden, dass sie durch Einbrüche keine Schäden nehmen können.

In Thallern befindet sich das ehemalige Direktionsgebäude, das auch eine Bergmannsschule beherbergte und heute als Wohnhaus dient. Ein Kreuz erinnert an einen Bergwerksbrand im Jahr 1873, bei dem 51 Bergleute die Stollen nicht mehr rechtzeitig verlassen konnten, sich jedoch in einen Schacht retten konnten, den sie luftdicht verschlossen und so 5 Stunden später gerettet werden konnten.

Der Bergbau in Thallern kam 1880 zum Erliegen, 1920 wurde er kurz reaktiviert, jedoch 1922 nach einem Wassereinbruch mit einem Todesopfer wieder aufgegeben. Der Tonbergbau in Tiefenfucha wurde 1958 geschlossen, 1964 wurde dann auch der Bergbau in Angern eingestellt. Der Bergbau in Oberfucha war bereits nach dem 1. Weltkrieg eingestellt worden.

Nach der Wanderung bin ich dann noch auf eigene Faust beim Eingang des Schaustollens in Tiefenfucha vorbeigefahren,…

…sowie bei der Gedenktafel an das Ziegelwerk in Oberfucha.

An einigen Stellen kann man sich an solchen Hörstationen über die Geschichte des Bergbaus informieren. Alle Informationen sowie einen Plan findet man auch in einem kleinen Folder, der auch von www.bergwerkgedenkweg.at heruntergeladen werden kann.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei Leopold Koller (der mit seiner Frau übrigens auch eine sehr hübsch ausgestattete und trotzdem preiswerte Frühstückspension führt) für die informative Führung bedanken. Den Gedenkweg werde ich sicherlich bald einmal zur Gänze zu Fuß „bewältigen“.

Heute, am 19. Mai 2019, gibt es um 14:00 noch einmal die Gelegenheit, eine geführte Wanderung mitzumachen. Treffpunkt ist beim Gasthaus Gusenbauer in Krems-Thallern und die Teilnahme ist kostenlos.

Um den Tag der Heiligen Barbara, dem 4. Dezember, gibt es auch jedes Jahr eine Barbarafeier – 2019 wird das am 7. Dezember um 17:00 sein (Änderungen vorbehalten – aktuelle Infos unter www.bergwerkgedenkweg.at!

 

 

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