Der Predigtstuhl bei Stift Göttweig: Verteidigungsanlagen aus dem 1. Weltkrieg und eine wiedergefundene Kirche

13.01.2020

Der Predigtstuhl ist die höchste Kuppe des Göttweiger Bergs. Obwohl er mit 435 Meter Seehöhe etwas höher ist als die nördliche Kuppe, auf der auf 428 m Seehöhe das Stift Göttweig liegt, ist er eher unscheinbar und seine Besonderheiten sind selbst Einheimischen kaum bekannt.

Die Wanderung startet an der Straße, die von der L100 zum Stift Göttweig führt. Noch bevor man auf dem Hochplateau ankommt, findet man rechts entlang der Straße einige Parkplätze.
Links von den Parkplätzen zweigt ein Weg am, der mit einem Schranken für den Autoverkehr versperrt ist. Diesem Weg folgt man.
Zuerst geht es einmal ein Stückchen geradeaus. Dem breiten Weg, der gleich nach der Straße links abzweigt und hinunterfügt bitte nicht folgen!
An sich ist der Weg mit “St. Georg” beschildert, allerdings war gleich der erste Wegweiser bei unserer Wanderung verdreht.
Ein paar Meter später muss man dann tatsächlich links abbiegen. Danach dem rechten, etwas breiteren und weniger steilen Weg folgen. Der schmale und sehr steile Weg, der geradeaus führt ist Teil des Trailwerks Wachau, einem Netzwerk an Mountainbike-Wegen auf dem Göttweiger Berg.
Dann heißt es noch einmal rechts abbiegen, denn gleich ist das erste Ziel erreicht. Wenn man den richtigen Weg genommen hat, sind seit dem Start gerade einmal 10-15 Minuten vergangen.
Vermutlich wurde hier unter Erzbischof Dietmar, der 907 verstarb, bereits eine Holzkirche errichtet. Der Gründer des Stiftes Göttweig, Altmann von Passau ließ im 11. Jahrhundert eine Steinkirche errichten.
Die Kirche wurde vermutlich im Zuge der Ersten Wiener Türkenbelagerung im Jahre 1529 zerstört, denn die jüngsten erhaltenen Erwähnungen der Kirche stammen aus dem Jahr 1526.

2003 wurde ein Verein “Freunde der Kirche St. Georg auf dem Göttweiger Berg” gegründet. 2005 begannen die Grabungen, aber erst bei der 4. Grabung im Jahr 2008 wurde der erste Mauerzug entdeckt.

Weitere Informationen findet man unter anderem auf der Website des Bundesdenkmalamtes sowie auf der Website der Pfarre Paudorf!
 

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Hier noch das Stift Göttweig von der Kirche St. Georg aus gesehen.
Südwestlich der Kirche führt ein kleiner Weg bergab.
Dieser führt zu einem quer verlaufenden Weg. Von diesem gehen – vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennbar – Steintreppen bergab.
Der Ausblick in Richtung Paudorf ist zwar wunderbar und an klaren Tagen sieht man bis in die Voralpen, aber…
jetzt heißt es erst einmal den richtigen Weg finden. Kreuz und quer führen schmale Wege und steinerne Treppen bergab. Wir sind jetzt mitten in einer Verteidigungsanlage “Brückenkopf Krems”. Im August 1914 wurde begonnen, rund um die wichtigsten Brückenstädte (Linz, Krems, Tulln, Wien, Pressburg,…) Verteidigungsringe aufzubauen, um die Brücken im Falle einer Invasion russischer oder italienischer Truppen besser verteidigen zu können.
Im Endausbau hätten rund 34.000 Soldaten in diesem Ring um Krems stationiert werden sollen. Wie wir jedoch alle wissen, ist der Krieg anders verlaufen und so wurde der Ausbau bereits 1916 gestoppt und Material wurde abtransportiert.

Auch andernorts sind teilweise noch Fragmente von Befestigungsanlagen zu finden, jedoch nirgendswo in diesem Umfang.

Weitere Informationen zu den Verteidigungsanlagen finden Sie auf der Website des Fremdenverkehrs- und Verschönerungsvereins Furth sowie in englischer Sprache auf World War One Sites.

Vom unteren Ende der Anlage führt dann der “Verteidigungsweg” in Richtung Osten weiter.
Auch ohne die Verteidigungsanlagen wäre der Weg für unsere Breiten schon ziemlich spektakulär.
Auch eine kleine Marienstatue ist unterwegs zu finden, dazu noch zahlreiche “Stoamandl” (aus Steinen gebaute Männchen).
Man geht immer weiter Richtung Osten. Schließlich (leider habe ich davon kein Foto) stößt man auf einen etwas breiteren Weg und biegt in diesen spitz links ab und geht bergauf weiter.
Kurz nach der Überquerung eines Mountainbike-Trails…
kann man geradeaus zu einem Aussichtspunkt gehen, wo man wieder schön ins Tal hinab und bis in die Voralpen blicken kann.

Für den Rückweg zur Kirche bieten sich zwei Wege an, wobei ich den nördlicheren empfehle, da dieser breiter, besser zu erkennen und bequemer ist.

So, nun wie immer zum Fazit: Diese Wanderung ist historische tatsächlich interessant. Für mich persönlich war der 1. Weltkrieg immer ziemlich weit weg. Persönlich (meine Großeltern wurden alle Mitte der 1920er-Jahre geboren), aber auch geographisch. Auch wenn Österreich den Krieg begonnen und verloren hat – die Stätten der Kampfhandlungen, vor allem des grauenhaften Stellungskriegs sind ja doch weiter weg. Bekannte Kriegsschauplätze wie Verdun, Ypern oder Karfreit (um nur ein paar Beispiele zu nennen) habe ich leider auch noch nicht besucht.

Dass im Zuge des 1. Weltkriegs derartige Verteidigungsbauten rund um meine Heimatstadt errichtet wurden, war mir ehrlich gesagt bis vorgestern gar nicht bekannt und entsprechend beschäftigt mich diese Thematik jetzt.

Im Herbst gibt es übrigens immer “wehrhistorische Führungen”, die unter www.fvvf.at/1914 bekanntgegeben werden. Ich hoffe, dass ich einmal an einer dieser Führungen teilnehmen kann!

Dass diese Wanderung nur zu Fuß, aber keinesfalls mit Kinderwägen oder Rollstühlen gemacht werden kann, sollte aufgrund der Bilder klar sein. Ich empfehle auf jeden Fall gutes Schuhwerk, auch Wanderstöcke sind zu empfehlen. Man sollte auf jeden Fall trittsicher und halbwegs schwindelfrei sein. Außerdem rate ich davon ab, diese Wanderung bei Eis, Schnee oder Regen zu machen.

Wie lange die Wanderung dauert ist schwer zu sagen, da ich leider die falsche Karte benutzt habe und erst suchen musste. Jetzt bin ich klüger und gebe Ihnen meinen Rat weiter: Bitte benutzen Sie OpenStreetMap, weder Google Maps, noch die ÖK oder basemap, aber auch nicht “bergfex OSM” haben die Wege derzeit eingezeichnet! Die GPS-Daten kann man sich aber hier herunterladen! Ich denke, dass man in etwa 1 Stunde für die Wanderung braucht, wenn man alle Wege sofort findet. Allerdings würde ich sicherheitshalber mindestens 2 Stunden einplanen, schließlich will man ja nicht nur schnell durch, sondern auch Zeit für’s Erkunden und Fotografieren haben.

Ob man die Wanderung auch mit Kindern machen kann, ist schwer zu sagen. Die Anlagen erst zu suchen und dann zu erkunden kann natürlich ein großes Abenteuer sein. Allerdings besteht natürlich an vielen Stellen Absturzgefahr und auch einige Stufen sind etwas wackelig. Wenn die Kinder allerdings trittsicher sind und sich der Lage entsprechend diszipliniert verhalten, steht einem spannenden Familienabenteuer nichts im Wege!

 

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