Natur, Kultur, Geschichte – der vielleicht interessanteste „Pfarrhof“ Niederösterreichs

19.05.2019

Auf dem Gebiet des heutigen Hellerhofs im niederösterreichischen Paudorf, südlich von Krems, stand einst das Dorf Dietmarsdorf. In der Barockzeit fiel der Gutshof an das Stift Göttweig, ein Abt, der den Familiennamen Heller trug, ließ ihn umbauen und so bekam der Hof den Namen „Hellerhof“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er von der Pfarrkirche Paudorf-Göttweig immer mehr als Pfarrzentrum benutzt. Offizielle Pfarrkirche der Pfarre blieb jedoch weiterhin die Göttweiger Stiftskirche. Der später wegen seinen Konflikten mit dem damaligen Bischof Kurt Krenn weit über die Grenzen Niederösterreichs bekannt gewordene Pfarrer Pater Udo Fischer wurde 1981 mit der Leitung der Pfarre betraut, verlegte 1986 seine Wohnung in den Hellerhof. Von 1991 bis 1993 wurde eine neue, moderne Kirche im Hellerhof errichtet, die dann – wegen innerkirchlicher Konflikte – erst 1996 geweiht und zur offiziellen Pfarrkirche ernannt wurde. In weiterer Folge wurde im Hellerhof eine Bücherei und ein Museum über den Komponisten Wilhelm Kienzl, der die Oper „Der Evangelimann“ schrieb, deren Stoff zum Teil auf einer wahren Begebenheit beruht, die sich einst im Hellerhof zugetragen hat.

Soweit einmal in extremst verkürzter Form die wechselvolle Geschichte des Hellerhofs, viel mehr davon ist auf der Website der Pfarre Paudorf-Göttweig, aber auch auf Wikipedia nachzulesen.

 

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Nach einer Umbauphase wurde das Wilhelm Kienzl-Museum heute, am 19. Mai 2019 im Rahmen des Museumsfrühlings wiedereröffnet.

Das Museum zeigt mit großen Graphiken, zahlreichen Originalgegenständen und einigen Hörstationen vor allem die Entstehung der berühmtesten Oper Kienzls.

In der daneben liegenden, Johannes dem Täufer geweihten, barocken Hellerhofkapelle, befindet sich das nach einem Göttweiger Abt benannte „Johannes Dizent-Museum“. Im Kirchenschiff wird derzeit eine sehr bedrückende Ausstellung über das Stift Göttweig und Paudorf zur Zeit des Nationalsozialismus gezeigt.

Das Stift wurde damals von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und im Stift wurde eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt, kurz „Napola“ eingerichtet.

Aber auch viele andere Aspekte dieser schrecklichen Zeit werden in dieser Ausstellung behandelt.

In den oberen Stockwerken befindet sich eine Dauerausstellung, die die Geschichte von Paudorf von archäologischen Funden bis zur Gegenwart zeigt.

Ein besonderer Aspekt der Geschichte der heutigen Marktgemeinde Paudorf ist „Frau Ava“, die bis 1127 im zur Gemeinde gehörenden Dorf Kleinwien gelebt hat und als eine der ersten deutschsprachigen Dichterinnen gilt.

Auch die von Friedrich Göbl geplante, in den Jahren 1991-1993 errichtete Pfarrkirche, ist einen Besuch wert.

Mit ihrer schlichten Einrichtung und den Glasfenstern hinter dem Altar vermittelt sie eine besonders meditative Atmosphäre, die nicht nur gläubige Katholik*innen ergreifen wird.

Hinter der Kirche befindet sich der historische Garten, der in der Barockzeit als Prunkgarten angelegt wurde, später als Nutzgarten diente und lange kaum benutzt wurde, ehe er 1999-2001 restauriert und in jeder Hinsicht des Wortes „revitalisiert“ wurde.

Zu guter Letzt befindet sich im Hellerhof auch die bereits erwähnte Öffentliche Bibliothek „Frau Ava“ sowie ein großer Kinderspielplatz, in dem die Kinder nach Herzenslust toben können.

Schließlich kann die Pfarre nicht nur auf eine sehr wechselvolle Geschichte verweisen, sondern ist weithin auch als sehr aktive und „junge“ Pfarre bekannt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.pfarre-paudorf.at und www.paudorf.at!

 

 

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