Wanderung durch Österreichs längste Kellergasse

10.11.2019

Die Lindobelgasse in Rohrendorf bei Krems ist mit einer Länge von 1.650 Metern die längste Kellergasse. Sie stand auch im Mittelpunkt einer kurzen, aber abwechslungsreichen Wanderung, die ich letzten Freitag nach der Arbeit spontan unternommen habe.

Startpunkt war der Parkplatz in der Viehtrift, gegenüber der Liefereinfahrt des Weinguts Sepp Moser.

Gegenüber des Parkplatzes gibt es auch eine Übersichtstafel, die verschiedene Wandermöglichkeiten anzeigt.

Dann ging es vorbei am Atriumhaus, das sich der Weinpionier Lenz Moser III. in den 1960er-Jahren nach römischen Vorbild erbauen ließ.
Kurz darauf trifft man auf ein Denkmal für Lenz Moser III. Lenz Moser III. führte in Niederösterreich die sogenannte Hochkultur, auch „Lenz-Moser-Erziehung“ im Weinbau ein.

Sein Sohn Sepp gründete das Weingut Sepp Moser, das heute von dessen Sohn Nikolaus als Demeter-zertifiziertes Bioweingut geführt wird.

Die große und stark exportorientierte Weinkellerei Lenz Moser wurde Ende der 1980er-Jahre an die VOG-Gruppe verkauft, nachdem aufgrund des Weinskandals die österreichischen Weinexporte stark eingebrochen waren. Die Weinkellerei Lenz Moser war übrigens nicht in den Skandal um mit Glykol gestreckte Weine involviert.

Gegenüber des Denkmals befindet sich ein Informationsterminal und nach dem Denkmal geht es links steil hinauf in die Lindobelgasse. Der Beginn dieser Kellergasse wird von zwei großen Info-Säulen begrenzt. Auf dem Weg werden übrigens weitere Säulen Informationen über den Weinbau und Rohrendorf geben.

Kurz vor dem Keller des Weinguts Kitzler (bitte nicht lachen, der Name ist in unseren Breiten nicht unüblich!) geht es rechterhand hoch in die Weingärten. Von dort hat man einen wunderbaren Blick über Rohrendorf zum Stift Göttweig.
Einige Wegkreuze entlang der Straße zeugen davon, dass die Arbeit im Weingarten nicht ungefährlich ist und es immer wieder zu tödlichen Arbeitsunfällen kam.
Unter den insgesamt 72 Weinkellern gibt es schöne, künstlerisch ausgestaltete Presshäuser,…
…aber auch simple Kellerröhren.

 

 

 

Nach etwa einem Kilometer macht die Lindobelgasse eine Linkskurve, ich bin aber noch ein Stückchen geradeaus weitergegangen,…
…um einen Abstecher zum „Roten Kreuz“ zu machen. Dieses hat mit der internationalen Hilfsorganisation übrigens nichts zu tun – rot lackierte Flurkreuze gibt es in unserer Gegend viele.
Am Ende der Lindobelgasse steht ein weiteres Wegmal, eine „Maria am Berg“ genannte Marienstatue auf einer Säule. Dort biegt man dann links in die Viehtrift ein.

 

 

 

Ich bin die Viehtrift in Richtung Süden hinuntergegangen und habe dann einen Abstecher rechts in den „Kleinen Geblingweg“ gemacht. Hinter dem Häuschen befindet sich nämlich das…
„Heinz-Conrads-Tor“, ein Torbogen, der daran erinnert, dass hier der bekannte österreichische Schauspieler und Entertainer Heinz Conrads am 6. November 1968 den Weingarten von Lenz Moser symbolisch „schloss“.

Eine andere Möglichkeit, zum Heinz-Conrads-Tor zu wandern finden Sie in diesem Beitrag!.

Dann bin ich die Viehtrift hinunter zum Parkplatz marschiert.

Die Wanderung entspricht übrigens im Großen und Ganzen der tut-gut-Wanderroute Nr. 1, die jedoch in die Gegenrichtung gewandert wird und eine Schleife über Leimerweg, Paschingerweg, Neusiedelweg und Neubruchweg, dafür aber keine Abstecher zu Heinz-Conrads-Tor und Rotem Kreuz macht.

Die Wanderung in dieser Richtung zu machen hat natürlich auch den Vorteil, dass man einen Besuch bei einem Heurigen in der Kellergasse als krönenden Abschluss einbauen kann. Einen Heurigenkalender gibt es auf der Website der Gemeinde Rohrendorf!

Insgesamt habe ich ca. 1 Stunde für diese Wanderung gebraucht. Die Wanderung ist durchaus auch kinderwagentauglich, da praktisch auch mit dem Auto befahrbar, aber teilweise etwas steil.

Da der Startpunkt der Wanderung ganz in der Nähe des Bahnhofs Rohrendorf an der Franz-Josefs-Bahn der ÖBB von Krems nach Wien liegt, kann man auch sehr gut umweltfreundlich mit der Bahn anreisen!

 

 

 

 

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