KIA EV2

KIA EV2 – das Wunderkind

06.07.2026

Der kleine elektrische KIA ist wie die koreanische Jugend: perfektionistisch und dennoch sympathisch. Dabei bietet er erwachsenes Fahrgefühl zum Wahnsinnspreis.

 

KIA EV2

Der erste Eindruck

„Moi liab“ (Hochdeutsch ungefähr “Oh, wie süß”) ist oft die erste Reaktion der Menschen auf den KIA EV2. Tatsächlich reiht sich das rund 4 Meter lange SUV in eine Reihe mit anderen knuddeligen „Bärchen“ wie dem Smart #1 und dem BYD Atto 2 ein.

Allen dreien ist gemeinsam, dass ihnen für ein richtiges SUV in Wirklichkeit die Bodenfreiheit fehlt, was aber für geschätzte 90 % der Bevölkerung im Alltag ein Vorteil sein wird. KIA war anno 2008 mit der ersten Generation des Soul (Generation 2 und 3 gab es übrigens auch schon mit E-Antrieb) der erste Hersteller, der in Europa ein kleines SUV mit eher geringer Bodenfreiheit angeboten hat.

Vielleicht ist KIA ja eines Tages den Land- und Forstwirten gnädig gestimmt und bietet eine höhergelegte Version an, ähnlich wie die „Cross Country“-Version des Volvo EX30.

Im Autohaus Böhm darf ich mir einen EV2 in „Frost Blue“ ausborgen, wobei mir bei diesem „Babyblau“ eher warm ums Herz wird. Die Farbpalette bietet eine interessante Mischung aus Pastelltönen, die – ähnlich wie beim Volvo EX30 – direkt aus dem Babymodenkatalog für Mustereltern (oder aus Altbeständen der VEB Sachsenring) kommen könnten, einem kräftigen „Magma Red“ und einer üblichen Auswahl aus Weiß, Schwarz und einigen Graustufen dazwischen.

Dem Bärchen wurde von den KIA-Designern ein nettes, aber keineswegs kitschiges Gesicht verpasst. Die große glatte Fläche zwischen Nummerntafel und Logo freut die Autobeschrifter, noch mehr aber die Hersteller von Insektenentfernern. Trotz aller Bärchenhaftigkeit ist KIA mit dem EV2 ein Auto gelungen, das zu Menschen jedes Alters und jedes Geschlechts passt. Auch jene Exzentrik, mit der die großen Brüder EV6 und EV4 auftreten, ist dem „Zweier“ fremd.

KIA EV2

Viel Platz und klassische Bedienung

Sobald wir uns mit dem Schlüssel nähern, fahren die Türgriffe aus und wir können die Türen öffnen. „Wow, so viel Platz“ ist die nun folgende Reaktion. Tatsächlich verfügt der EV2 über viel Platz im Innenraum, sowohl in der Länge als auch in der Breite. Wer Kunstlederorgien benötigt, muss leider zum chinesischen Mitbewerb greifen, KIA setzt selbst bei der Spitzenversion auf solide Stoffbezüge.

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Wer aufgrund des bärchenhaften Äußeren eine Spaßlandschaft im Innenraum erwartet, wird herb enttäuscht. Keine bunten runden Knöpfchen, keine Leisten in Fahrzeugfarbe – der EV2 ist innen ernsthaft wie ein koreanisches Schulkind, das sich nach neun Stunden Schule und zwei Stunden Klavierunterricht zum Französischkurs aufmacht.

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Im Cockpit fallen gleich die vielen Knopferl auf, selbst das Radio kann per Knopfdruck bedient werden. Den rechten Screen musste ich so gut wie nie drücken, und den Testern vor mir scheint es nicht anders ergangen zu sein, denn anders als bei vielen anderen Testwagen musste ich nicht erst einmal unzählige Fingerabdrücke vom Touchscreen wischen.

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Auf den beiden Screens stehen dafür jede Menge Informationen, ergänzt durch allerhand Balken und Symbole. Am Anfang kann es durchaus passieren, dass man sich in den vielen Informationen verliert, was der Aufmerksamkeitsassistent mit lautem Piepsen bestraft. Ob es psychologisch gut ist, dass der Reichweitenanzeige genauso viel Platz eingeräumt wird wie der Geschwindigkeitsanzeige, wage ich zu bezweifeln, aber wenigstens lenkt sie Menschen mit Reichweitenparanoia nicht zu sehr vom Straßenverkehr ab. Zu vergessen, rechtzeitig nachzuladen, ist daher mit dem Koreaner, der übrigens in der Slowakei gefertigt wird, fast ein Ding der Unmöglichkeit.

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Auf der Straße

Starten wir los. Der Startknopf liegt nicht auffällig auf dem Armaturenbrett, sondern etwas versteckt hinter dem Lenkrad. Hat man ihn einmal gefunden und etwas unkonventionell die Fahrstufe D gewählt, geht es angenehm geschmeidig los.

So erwachsen der Innenraum des EV2 ist, so fühlt er sich auch beim Fahren an. Nach wenigen hundert Metern hat man komplett vergessen, dass man in einem Vier-Meter-Auto sitzt. Auch wenn der EV2 im Gegensatz zu seinen (inoffiziellen) Vorgängern nicht mehr „Soul“ heißen darf, so ist er keineswegs seelenlos. Das Fahren macht durchaus Spaß – und das bereits im Eco-Modus. Mit 108 kW (146 PS) verfügt er in allen Situationen über ausreichende Leistungsreserven. Die in Österreich für Steuer und Versicherung relevante Nenndauerleistung liegt bei geldbörselschonenden 36 kW (49 PS).

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Die Testfahrt führt mich von Krems über Weißenkirchen auf den Seiber. Ich bin gespannt, wie sich der relativ hoch bauende EV2 auf der engen und steilen Bergstrecke schlägt. In den Sportmodus bin ich bereits zuvor gewechselt und habe gemerkt, dass der kleine Elektriker in diesem Modus nicht nur besser beschleunigt, sondern sich auch knackiger und insgesamt noch ein Stück präziser beherrschen lässt. So ist es mir im Sportmodus ironischerweise nicht so oft passiert, beim Beschleunigen die „Wunschgeschwindigkeit“ zu überschreiten.

Auf der kurvigen Bergstraße fühlt sich der KIA souverän und durchaus knackig an. Natürlich ist er kein Sportler vom Schlag eines Alpine A290 oder Abarth 600, und auch an einen Renault 5 und einen Firefly kommt er nicht ganz heran. Für ein SUV ist das Fahrverhalten aber durchaus beachtlich und für seine Preisklasse (dazu noch später) sowieso.

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Kleine Details, große Wirkung

In Kottes angekommen, steige ich aus und merke, dass der Innenraum doch nicht ganz spaßbefreit ist. In den Türgriffen wird den Passagieren „Have a nice day“ gewünscht. Herzlichen Dank, lieber EV2, der Tag war bislang bereits sehr nett, was auch an der Harman-Kardon-Soundanlage lag, die es ab der Ausstattungsklasse „Earth“ gibt.

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Auf die diversen Ausstattungsklassen möchte ich jetzt nicht eingehen, nur so viel: Bereits in der günstigsten „Light“-Variante hat man so gut wie alles an Bord, was man benötigt, inklusive Rückfahrkamera, Tempomat, Klimaautomatik und Parksensoren. In den höheren Varianten gibt es dann noch allerhand, wovon auch die meisten Oberklassefahrer vor 20 Jahren nur träumen konnten.

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Kofferraum, Verbrauch und Reichweite

Bevor wir zum Fazit kommen, noch ein Blick in den bei dieser Fahrt unbenutzten Kofferraum. Dieser wirkt auf Fotos oft etwas klein, ist tatsächlich jedoch mit bis zu 403 Litern (von denen sich ein Teil unter einer Abdeckung befindet) für die Außenlänge voll in Ordnung. Nur wenige Kleinwagen-SUVs können diesen Wert schlagen. Der Atto 2 liegt auf demselben Level, die kurzen Stellantis-Modelle, Mini und Smart darunter.

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Apropos darunter: Der WLTP-Verbrauch liegt im Bereich von 15,1 bis 15,5 kWh/100 km, mein Testverbrauch lag ein bisschen darunter. Die 308 bis 317 km Reichweite mit dem kleinen 42,2-kWh-Akku der „Standard Range“ sind also machbar. Mit dem 61,0-kWh-Akku der „Long Range“-Version sind bis zu 453 km drin. Ungewöhnlich, aber gar nicht doof: KIA hat bei dieser Variante die Leistung auf 135 PS reduziert. Ich bin zwar diese Variante noch nicht gefahren, denke aber, dass 9,5 (statt 8,7) Sekunden von 0 auf 100 km/h für diese Fahrzeugklasse absolut ausreichend sind. Die Ladeleistung von maximal 115 kW beim DC-Schnellladen ist klassenüblich. 

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Nicht klassenüblich: Den EV2 gibt es wahlweise als Vier- oder als Fünfsitzer. Der Viersitzer bietet hinten verschiebbare Einzelsitze. Somit kann man, wenn man zu zweit oder zu dritt unterwegs ist oder wenn die mitgenommenen Kinder noch sehr klein sind, den Kofferraum vergrößern. Für die meisten wird somit der Viersitzer also die bessere Wahl sein.

KIA EV2

Preis

Kommen wir wie üblich abschließend zum Preis. Der KIA EV2 beginnt mit der mehr als ausreichend ausgestatteten Basisvariante „Light“ in Österreich bei 26.690,- EUR. Wenn Ihnen das viel vorkommt, schauen Sie bitte, was ein Verbrenner dieser Leistungsklasse und mit dieser Ausstattung kostet.

Bis 30. September 2026 gibt es den EV2 sogar um 19.990,- EUR. Das sind gerade einmal 800 Euro mehr als der derzeitige Aktionspreis des VW T-Cross mit Basisausstattung und Basismotorisierung. Auch der hauseigene Benzinbruder, der KIA Stonic, ist mit einem Einstiegspreis von 19.540,- EUR kaum günstiger. Die Amortisationszeit dieser Preisdifferenz beträgt wohl nur wenige Monate.

Verglichen mit den anderen Elektro-Angeboten in der 20.000-Euro-Klasse ist der KIA EV2 sicher das erwachsenste Angebot, auch wenn Leapmotor B05, Renault Twingo und der (in Österreich nicht mehr erhältliche) Dacia Spring in der Stadt etwas wuseliger sind, etwas weniger verbrauchen, weniger Steuer kosten und leichter zu bedienen sind, was aber auch ein bisschen an der geringeren Ausstattung liegt.

KIA EV2

FAZIT

Mit dem KIA EV2 bietet der koreanische Hersteller ein in Europa gefertigtes kleines Elektro-SUV mit erwachsenem Auftreten und geräumigem Innenraum. Ein Auto, das jungem und altem Publikum gefällt, viele Anwendungszwecke abdeckt und mit dem größeren Akku sogar langstreckentauglich ist. Lediglich bei der Bedienung gibt es ein paar Mankos. Jene, die noch keine Touchscreen-Bedienung gewohnt sind, werden damit aber schneller zurechtkommen als mit verschachtelten Bildschirmmenüs.

Auch die Basisversion um derzeit 20.000,- Euro bietet bereits ein hohes Ausstattungsniveau und macht den EV2 zu einem der attraktivsten Angebote in dieser Preisklasse, an das auch kaum ein Verbrenner herankommen wird, schon gar nicht, wenn man auch die Unterhaltskosten miteinrechnet.

Kurzum: Der EV2 ist ein wahres Wunderkind – talentiert, fleißig, perfektionistisch und dennoch hübsch und sympathisch wie eine koreanische K-Pop-Band.

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