Parkhaus im Weltkulturerbe Wismar – fröhlich, ohne Kitsch und ungetarnt, dafür aber mit Aussicht
04.05.2019
Bauen in einer Weltkulturerbestadt wie Wismar ist ja generell eine große Herausforderung – besonders, wenn es um einen Zweckbau wie ein Parkhaus in einem historisch sensiblen Bereich wie dem Alten Hafen geht.
Parkhäuser werden ja oft in Sichtbeton-Bauweise ganz im Stil des Brutalismus errichtet, wobei sich in einigen Fällen die Frage stellt, ob hier eine bewusste Stilentscheidung oder einfach nur Lieblosigkeit vorliegt. Anders als vielleicht im sonnigen Südfrankreich verstärkt unverkleiderter Sichtbeton in nördlicheren Regionen oft noch die wetterbedingte Tristesse.
Im Norden Deutschlands sehr häufig anzutreffen sind natürlich Backsteinbauten. Bei historischen Altstadthäusern und -kirchen, Wohnhäusern, Lager- und Fabriksgebäuden durchaus ansehnlich, kommt es meiner Meinung nach oft schon zum Backstein-Overkill – so wie im Österreich der Nachkriegszeit Schönbrunner Gelb exzessiv und unüberlegt eingesetzt wurde. Wenn auch noch jedes Einkaufszentrum, jeder Kiosk und jedes andere Zweckgebäude mit unverkleideten Backsteinen errichtet wird, verschwimmen Alt und Neu, Tradition und Beliebigkeit, Kunst und Kitsch.
Das Darmstädter Architekturbüro Lengfeld & Wilisch hat in den Jahren 2014 – 2018 ein Parkhaus im Alten Hafen von Wismar realisiert, das auf Kitsch wie auf Tarnung gekonnt verzichtet.
Mit rot emaillierten Profilglas und rundlichen Formen stellt es einen gelungenen, aber nicht unharmonischen Kontrast zu den kubischen Backstein-Speichern und den die Speicher imitierenden Büro- und Ferienwohnungskomplexen im Alten Hafen dar, ohne das Gesamtensemble zu verletzen.
Dazu strahlt das Rot eine anziehende Fröhlichkeit aus, der man sich auch bei Schmuddelwetter nicht entziehen kann, schafft es dabei aber, nicht ins Spaßige abzugleiten.
Hier einige Ansichten des Parkhauses:
Von den großflächigen Fenstern, besonders aber vom obersten, vierten Stockwerk aus, hat man übrigens einen tollen Ausblick auf den Hafen und die Altstadt von Wismar, wie auf diesen Fotos zu sehen sind:
Insgesamt ein gelungener Bau. Möglichkeiten der Erweiterung sind gegeben und wurden von Anfang an mitgeplant. Bis dahin wird es aber wohl noch etwas dauern, schließlich stehen nur wenige hundert Meter weiter am Schiffsbauerdamm kostenlose Stellplätze zur Verfügung.
Einen Kritikpunkt muss ich jedoch anbringen: Dass bei derzeit 211 Stellplätzen nur 1 Ladesäule mit 2 Ladepunkten für E-Autos zur Verfügung steht, mag zwar den derzeitigen Gegebenheiten in Deutschland entsprechen, ist aber keineswegs zukunftsgewandt. Zum Vergleich: Im kürzlich eröffneten Einkaufszentrum Business Park W86 in meiner Heimatstadt Krems stehen bei 160 Parkplätzen 3 Ladesäulen mit insgesamt 6 Ladepunkten zur Verfügung.
Mehr zum Parkhaus auf der Website von Lengfeld & Wilisch
Mehr zum Parkhaus auf der Website der Entsorgungs- und Verkehrsbetriebe Wismar
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Ein Spaziergang durch ein Augebiet, das durch das Projekt “LIFE + Auenwildnis Wachau” zu einer Insel wurde.










