Vom Sonderling zum Ehrenbürger: Johann Krahuletz
03.11.2018
Heute vor 170 Jahren, also am 3. November 1848, wurde Johann Krahuletz in Eggenburg geboren. Der gelernte Büchsenmacher wurde zu einem Pionier der Prähistorischen Archäologie. Letzte Wochen haben wir das von ihm initiierte Krahuletz-Museum in Eggenburg besucht.
Der Vater von Johann Krahuletz, Georg Krahuletz, war Büchsenmacher in Eggenburg, an der Grenze zwischen Wald- und Weinviertel in Niederösterreich. Einer der Kunden von Georg Krahuletz war der Adelige Kandidus Pontz Reichsritter von Engelshofen, der als Urgeschichtsforscher tätig war und die Familie Krahuletz dazu animierte, in der Freizeit nach urgeschichtlichen Funden zu suchen. Schon als Kind hat sich der kleine Johann sein Taschengeld damit verdient, die Äcker der Gegend nach steinzeitlichen Werkzeugen, Tonscherben und Versteinerungen zu untersuchen. Eggenburg lag ja vor ca. 10 Millionen Jahren am Rande eines riesigen Meeres.
Als er auch als junger Mann lieber die Äcker nach “Altertümern” untersuchte, als dem erlernten Beruf des Büchsenmachers nachzugehen, galt Krahuletz bald als Sonderling. Durch den Bahnbau Ende der 1860er-Jahre kamen viele weitere Funde ans Tageslicht und Krahuletz gelangte in Regen Austausch mit Wissenschaftlern der Universität Wien. Krahuletz gelangen spektakuläre Funde, mehrere Tierarten, darunter eine Seekuh wurden nach ihm benannt (Metaxytherium krahuletzi). Gleichzeitig begann er sich für die Volkskunde zu interessieren und sammelte Gegenstände, die Bauern und Bürger als “altes Gerümpel” entsorgen wollten.
Mit der Zeit wandelte sich auch sein Ruf. Er wurde zum geschätzten und geselligen Bürger und sogar Bezirksfeuerwehrkommandant. Kaiser Franz Josef verlieh ihm das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone und den Titel “Kaiserlicher Rat”. 1924 verlieh ihm Bundespräsident Michael Hainisch persönlich den Ehrentitel “Professor der Geologie”, der seitdem nie wieder verliehen wurde. Darüber hinaus wurde er natürlich auch Ehrenbürger der Stadt Eggenburg.
Bereits zu Lebzeiten regelte er mit der Stadt Eggenburg den Fortbestand seines Erbes. Er vermachte all seine Funde der Stadt, die dafür ein eigenes Museum einrichtete. Die vollständige Aufarbeitung ist auch heute, rund 90 Jahre nach seinem Tod noch nicht abgeschlossen. Das Museum ist aber nicht nur Aufbewahrungs- und Präsentationsort, sondern auch nach wie vor in enger Zusammenarbeit mit der Universität Wien in der Forschung tätig.
Das benachbarte ehemalige Lichtspielhaus (Kino) und eine ehemalige Möbelfabrik dienen mittlerweile als Depot, sodass das Museum grundlegend und den Erfordernissen der heutigen Zeit entsprechend umgestaltet werden konnte. Wer das Krahuletz-Museum so wie ich (mein letzter Besuch war 1990) als vollgestopftes Museum mit oft unzähligen fast gleichartigen Funden in Erinnerung hatte, wird es nicht mehr wiedererkennen. Das Museum ist modern und für Besucher jedes Alters und jeder Vorbildung ein Erlebnis.
Weitere Informationen finden Sie auf www.krahuletzmuseum.at!
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