Tesla Model Y – noch immer der Maßstab?
23.09.2026
Nach über vierzig verschiedenen von mir getesteten E-Autos musste ich nun endlich auch einmal einen Tesla ausprobieren. Ist er noch immer der Maßstab?
Pionier mit polarisierendem Chef
Die Pionierleistung von Tesla lässt sich schwerlich abstreiten, egal ob man Elon Musk nun verehrt oder verdammt. Dass Musk Tesla nicht gegründet und auch das E-Auto nicht erfunden hat, ist ebenso unbestritten. Ob Tesla ohne Musk so erfolgreich geworden wäre, ist allerdings fraglich.Fakt ist auch, dass das Model Y zu den meistverkauften Autos der Welt zählt und in vielen Ländern Europas immer wieder das meistverkaufte E-Auto war. Mit Preisen ab EUR 40.990,- und mindestens 525 km WLTP-Reichweite zählt das Model Y auch zu den attraktivsten Angeboten auf dem österreichischen Markt.
Zum Test gleich das Spitzenmodell
Getestet habe ich jedoch nicht das heckgetriebene Basismodell mit 220 kW (295 PS) und 60-kWh-Akku, sondern das Spitzenmodell „Performance“ mit zwei Motoren, Allradantrieb, 343 kW (460 PS), „großem“ 77-kWh-Akku und 580 km Reichweite, dessen Preis derzeit in Österreich bei EUR 62.990,- beginnt.
Seitdem die großen Modelle S und X in Österreich vom Markt genommen wurden, stellt das Model Y Performance nun das Spitzenmodell dar, was man ihm allerdings nicht ansieht. Keine Spoiler, keine auffälligen Lufteinlässe, keine Zierstreifen – einfach das ikonische Tesla-Design. Und wenn ich das von mir sonst vermiedene Wort „ikonisch“ verwende, dann ist das definitiv kein Marketing-Sprech.
Das Model Y war auch das erste Tesla-Modell, das ein selbst für Nicht-Fans deutlich erkennbares Facelift bekam. 2025 wurde auf eine neue Front mit schmalem, durchgehendem Leuchtenband umgestellt, und das Facelift bekam sogar einen Namen: Juniper. Wirklich originell war das natürlich nicht, der Xpeng G9 hatte so etwas bereits 2022.
Beeindruckend schnell – fast zu perfekt
Geöffnet wird mit Karte oder App, dann kann es auch schon losgehen. Die Beschleunigung ist auf dem Papier beeindruckend. Nur 3,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h sind ein Wert, den man sonst nur von Supersportwagen kennt. In der Praxis beeindruckt jedoch vor allem, wie ruhig das dennoch vor sich geht. Kein Aufbäumen, kein Durchdrehen der Räder und – eh klar – kein Aufheulen des Motors. Auch in Kurven verhält sich das Model Y absolut ruhig. Das ist einerseits beruhigend, andererseits muss ich sagen, dass mir ein Ford Mustang Mach-E, der doch etwas weniger Leistung hat, wesentlich mehr Spaß gemacht hat.
Auf der Autobahn verhält sich der in Grünheide in Brandenburg gefertigte Ami ebenfalls recht brav. Bedauerlich ist natürlich, dass man in Österreich nicht alle Self-Driving-Features verwenden darf. Zum bequem-luxuriösen Ambiente weniger passend ist, dass es auf der Autobahn doch etwas lauter wird. Inwiefern das am Glasdach liegt, kann ich leider nicht beurteilen. Aber okay, wir reden hier von einem Auto, das mit der Basismotorisierung ausstattungsbereinigt ungefähr so viel kostet wie ein Golf Diesel.
Ein Auto, das vor allem Software ist
Im Vergleich zu diesem ist das Tesla Model Y natürlich ein völlig anderes Fahrzeug und selbstverständlich ein „software-defined vehicle“. Sogar das Umschalten zwischen Vorwärts- und Rückwärtsfahren erfolgt über das Zentraldisplay, ebenso die Bedienung der Feststellbremse.
Knopferl gibt es nur für den Tempomaten und einige andere Funktionen im Lenkrad. Seit dem Juniper-Update gibt es immerhin wieder einen Blinkerschalter, man muss die Blinker also nicht mehr über Knöpfe im Lenkrad bedienen.
Während ich das hier schreibe, denken sich die Tesla-Leute sicherlich schon die nächsten Features aus, und wenn man jetzt einen bestellt, hat der wahrscheinlich schon die eine oder andere Funktion, die mein Testmodell noch nicht hatte. So ist das halt mit den software-defined vehicles.
Während meines Tests konnte ich natürlich nicht alle Features ausprobieren. Was ich getestet habe, hat aber klaglos funktioniert. Die Sensoren haben sogar Müllcontainer erkannt und diese auch entsprechend auf dem Display dargestellt. Lediglich E-Scooter-Fahrer wurden als Fußgänger angezeigt. Dass ausgerechnet Mikro-E-Mobilität nicht erkannt wird, ist irgendwie skurril, bei näherem Nachdenken aber durchaus verständlich und möglicherweise inzwischen bereits ausgemerzt.
Die Bedienung ist im Großen und Ganzen logisch aufgebaut, aber meiner Meinung nach nicht ganz so einfach und intuitiv wie bei Volvo und Polestar.
Effizienz als große Stärke
Der hervorragenden Aerodynamik sei Dank, begnügt sich das Model Y selbst in der Performance-Version mit nur 16,2 kWh/100 km. Das schaffen ähnlich große Modelle oft nicht einmal in der Basisversion. Nach meinem abwechslungsreichen Test halte ich diesen Wert auch durchaus für erreichbar.
Nachteil der aerodynamischen Form ist natürlich die schräge Heckklappe. Für Alltag und Reise wird der Kofferraum reichen, zumal sich unter der Bodenplatte noch ein großes Fach und vorne ein großer Frunk befinden. Den großen Kühlschrank muss man sich jedoch nach Hause liefern lassen, und auch der Bernhardiner könnte sich im Kofferraum nicht ganz so wohl fühlen wie in einem normalen SUV.
Trotz der Aerodynamik hatte ich nie das Gefühl, das Auto nicht ausreichend zu überblicken, und auch enge Straßen – sowie die enge Brücke – waren kein Problem. Beim Reversieren helfen dann zahlreiche Kameras und Sensoren.
Also doch noch der Maßstab?
Kommen wir nun zum Fazit und lassen wir dabei Elon Musk einmal außen vor. Dann haben wir mit dem Tesla Model Y nach wie vor ein faszinierendes und stimmiges Gesamtpaket, das kompromisslos genau das verkörpert, was man unter einem „software-defined vehicle“ versteht. Insofern ist er in seiner Gesamtheit nach wie vor ein, wenn nicht sogar der Maßstab.
Sieht man ins Detail, findet man jedoch wenig, was nicht irgendein Modell irgendeiner anderen Marke besser könnte – ein Modell, das alles besser kann, ist mir bis dato noch nicht untergekommen.
Das heißt aber beileibe nicht, dass das Model Y für alle Menschen und für alle Lebensumstände das beste E-Auto ist. Gerade für die kombiliebenden Österreicher wird vielleicht ein ähnlich teures, PS-ärmeres Fahrzeug mit steilem Kombiheck vielleicht die bessere Wahl sein, besonders natürlich für Familien, Hundebesitzer und Wochenend-Handwerker.
Zu guter Letzt muss man sich natürlich auch die Frage stellen, ob man wirklich alles rund ums Auto primär online erledigen möchte oder ob man nicht doch lieber den Service eines konventionellen Autohändlers in der Nähe hat.
Zu guter Letzt muss man sich natürlich auch die Frage stellen, ob man wirklich alles rund ums Auto primär online erledigen möchte oder ob man nicht doch lieber den Service eines konventionellen Autohändlers in der Nähe hat.
Weitere Autotests:
Polestar 2 – Der Klassiker
Polestar 2 – Der Klassiker 05.09.2026 Manche Autos wollen um jeden Preis auffallen. Sie inszenieren sich mit riesigen Kühlergrills, Lichtshows, immer größeren Displays oder einem Design, das schon aus 200 Metern Entfernung verkünden soll, dass hier etwas ganz...
KIA EV5 – Fünf geradlinig sein lassen
KIA EV5 – Fünf geradlinig sein lassen 29.08.2026 Der Koreaner sticht mit seinem kantigen Design aus der immer größeren Masse an Mittelklasse-SUVs hervor – aber wie schlägt er sich in der Praxis? Ganz schön große Kiste! Mit Respekt öffne ich den KIA EV5, den mir das...
Polestar 3 – In der Kraft liegt die Ruhe
Polestar 3 – In der Kraft liegt die Ruhe 08.08.2026 380 kW (517 PS), 4,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Nein, das sind nicht die Daten eines Lamborghini Countach, denn der war selbst in der letzten Ausbaustufe namens LP 5000S QV nicht ganz so stark und konnte auch nicht...
Mitsubishi Eclipse Cross EV – Familiengeschichte
Mitsubishi Eclipse Cross EV – Familiengeschichte 27.07.2026 Genug Platz für die Familie, genug Reichweite für den Urlaub und parkhausgerechte Abmessungen gibt es bei Mitsubishi jetzt zum familienfreundlichen Preis. „Mindestens 500 Liter Kofferraum, mindestens 600...
Chery Tiggo 8 – Merci für die Stunden, Chery
Chery Tiggo 8 – Merci für die Stunden, Chery! 16.07.2026 Chery betritt den österreichischen Markt mit vier SUVs. Ich durfte den siebensitzigen Tiggo 8 bereits testen. Zu den jüngsten Neuzugängen auf dem österreichischen Markt zählt Chery. Der Konzern ist ja nicht ganz...
KIA EV2 – das Wunderkind
KIA EV2 - das Wunderkind 06.07.2026 Der kleine elektrische KIA ist wie die koreanische Jugend: perfektionistisch und dennoch sympathisch. Dabei bietet er erwachsenes Fahrgefühl zum Wahnsinnspreis. Der erste Eindruck „Moi liab“ (Hochdeutsch ungefähr "Oh, wie...
Renault Twingo – die dritte Auferstehung
Renault Twingo - die dritte Auferstehung 14.05.2026 Nach dem R5 und dem R4 lässt der französische Automobilkonzern mit dem Twingo nun den dritten legendären Kleinwagen wiederauferstehen. Während wir beim Renault 4 je nach Markt mindestens 31 und beim Renault 5 je nach...
Hyundai IONIQ5 First Edition – Werden die ersten die letzten sein? (kurzer Gebrauchttest)
Hyundai IONIQ5 First Edition - Werden die ersten die letzten sein? 15.11.2025 Durch Zufall durfte ich einen der ersten 150 Hyundai IONIQ5 kurz testen. Wie fühlt sich ein dreijähriges E-Auto an? Normalerweise teste ich ja Neufahrzeuge, die mir in perfektem Zustand und...
Firefly – mit dem Glühwürmchen durch den Nebel
Firefly - mit dem Glühwürmchen durch den Nebel 15.11.2025 NIO ist jetzt endlich auch auf dem österreichischen Markt - und die Kleinwagen-Tochter Firefly ist von Anfang an mit dabei! Seit Anfang November 2025 ist der chinesische Hersteller NIO auch auf dem...










