Die Kartause Aggsbach – Geheimtipp in der Wachau

30.04.2019

Wer an die Wachau denkt, dem fallen sofort die beiden großen Benediktinerstifte am Anfang und Ende dieses Donauabschnitts ein: Die Barockstifte Melk und Göttweig sind nicht nur aufgrund ihrer Lage imposant, sondern zählen auch zu den mitgliedergrößten Ordenshäusern des Landes.

Das Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein ist zwar heute nur noch Teil des Stiftes Herzogenburg, aber weithin bekannt. Auch das ehemalige Minoritenkloster in Krems-Stein, das heute das Forum Frohner (mehr dazu in diesem Artikel) und des Klangraum Krems sowie das ehemalige Dominikanerkloster in Krems, das das museumkrems (mehr dazu in diesem Artikel) beherbergt, sind überregional bekannt. Aber es gibt noch mehr ehemalige Klöster in der Wachau, die einen Besuch wert sind!

Eines davon ist die Kartause Aggsbach in Aggsbach-Dorf (Marktgemeinde Schönbühel-Aggsbach), am südlichen Donauufer.

Gestiftet wurde die Kartause Aggsbach im Jahr 1380 von Heidenreich von Maissau und seiner Gattin Anna. 1782 wurde es von Kaiser Joseph II. aufgehoben.

Die barock ausgestattete gotische Kirche wurde 1784 Pfarrkirche von Aggsbach-Dorf. Der Rest der Klosteranlage fiel mehr oder weniger in Vergessenheit und war jahrelang nur „Insidern“ bekannt. Erst vor etwa 15 Jahren wurde die ehemalige Kartause nach und nach restauriert.

2008 bis 2010 wurden bei Grabungsarbeiten des Bundesdenkmalamtes die Fundamente des Zellentraktes freigelegt.

Die Umrisse der Hütten des Zellentraktes, in denen einst die Mönche lebten, wurden mit metallenen Rankgittern „nachgebaut“ und sind heute Kern des Meditationsgartens.

In jeder der sieben Zellen befindet sich eine Metalltafel mit meditativen Texten, die anregen, über Gott, die Welt und das eigene Leben nachzudenken.

Erst vor Kurzem fertiggestellt – und letzten Sonntag, am 28. April 2019, von Landtagspräsident Karl Wilfing feierlich eröffnet wurde das Kartäusermuseum, das über das Leben der Kartäusermönche informiert.

Eines der Highlights der Dauerausstellung ist ein „Cubiculum“ mit der originalen Einrichtung eines Mönchszimmers aus dem französischen Kartäuserkloster Chartreuse de Sélignac.

Ein Modell zeigt das ehemalige Aussehen des Klosterkomplexes.

Ein paar Gehminuten außerhalb des Klosterkomplexes findet man die Hammerschmiede, die einst ebenfalls zum Kloster gehört hat. Die Hammerschmiede war bis in die 1950er-Jahre in Betrieb. Heute dient sie nur noch zu Schauzwecken, ist aber auf jeden Fall auch einen Besuch wert.

Die gesamte Ausrüstung der Schmiede ist aber noch voll funktionstüchtig. 2019 wird insgesamt zwei Mal geschmiedet werden:

Am 19. Mai 2019 im Rahmen des Museumsfrühlings und am 29. September 2019 im Rahmen des Tag des Denkmals – an beiden Tagen jeweils um 15:00. (Angaben ohne Gewähr, aktuelle Informationen finden Sie auf der Website der Kartause Aggsbach).

Direkt neben der Hammerschmiede befindet sich der Steinstadel. Die Dauerausstellung zeigt geologische Schätze aus der Region.

Dazu gibt es jährlich wechselnde Sonderausstellungen, in denen Geologen ihre Mineralienfunde aus der ganzen Welt präsentieren.

Ein Besuch in Aggsbach-Dorf ist absolut lohnenswert, auch wenn man wie ich fast sein ganzes Leben in der Wachau gelebt hat. Besonders hervorheben möchte ich das riesige Engagement der Familie Nussbaumer, die sich nicht nur um die Erhaltung und Renovierung der Kartause unglaublich Verdienste erwiesen hat, sondern auch mit sehr viel Liebe und großer Freundlichkeit um den Verkauf im Shop und die Führungen kümmert.

Ja, an dieser Stelle daher noch ein paar wichtige persönliche Worte: Wir selbst haben Glück gehabt, da wir letzten Sonntag eigentlich etwas anderes machen wollten und dann zufällig genau zur feierlichen Museumseröffnung in der Kartause angekommen sind. Die Kartause Aggsbach ist aber trotz der tollen Entwicklung in den letzten 15 Jahren noch weit davon entfernt, ein kommerziell geführter Tourismusmagnet zu werden. Entsprechend eingeschränkt sind natürlich die Öffnungs- und Führungszeiten. Bitte erkundigen Sie sich vor einem Besuch auf jeden Fall über die Website kartause-aggsbach.at, damit Sie nicht vor verschlossenen Toren stehen!

Sie werden aber sehen, dass Sie durch das riesige persönliche Engagement und Fachwissen der Familie Nussbaumer von einem Besuch wesentlich mehr „mitnehmen“ werden, als Sie es vielleicht in einer perfekt durchorganisierten kommerziellen „Erlebniswelt“ tun werden!

Hier einige Eindrücke von unserem Besuch:

 

 

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Auf Römerwegen zum Türkentor

Diese Woche habe ich eine kurze, aber kurzweilige Wanderung am südlichen und weniger touristischen Ufer der Wachau unternommen. Von Bacharnsdorf aus bin ich eine veränderte Variante der „gelben“ Marillenmeile gegangen.

Vom Märchenwald zum Familienpark

Schon als Kind habe ich ihn geliebt: Den Hubhof bei Aggsbach-Markt in der Wachau. Was 1980 als „Märchenwald“ begann, ist heute ein umfangreicher Familienpark und bei unserem Besuch am Pfingstmontag (10. Juni 2019) war mein Sohn genauso begeistert wie ich es Anfang der 1980er-Jahre in meiner Kindheit war.

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